Es war einmal … Moment, falscher Anfang. Oder doch nicht?
Manchmal kommt mir unser Verhältnis zur Arbeit wie ein modernes Märchen vor. Irgendwo da draußen, so wird uns erzählt, wartet die eine wahre Berufung. Wir müssen sie nur finden, und schon verwandelt sich jeder Montag in einen Freitag aka Traumtag.
Nur hat das Märchen gerade eine unerwartete Wendung genommen. Im Schloss herrscht Einstellungsstopp. Bewerbungen verschwinden im Turm ohne Tür, und nach der dritten Gesprächsrunde folgt: Schweigen. Wer heute den Traumjob sucht, braucht vor allem einen langen Atem. Und vermutlich einen Plan B. Vielleicht auch C. Am besten gleich das ganze Alphabet.
Und wer ihn findet? Wacht manchmal nicht im Happy End auf, sondern einfach nur am Dienstag. Denn auch der Traumjob hat Budgetrunden, Abstimmungsschleifen und Menschen, die einem den letzten Nerv rauben. Vielleicht zaubert er auch einen Freigabeprozess hervor, der länger dauert als Dornröschens Schlaf. Das böse Erwachen liegt dabei selten am Job. Viel eher liegt es am Märchen, das wir ihm vorher selbst angedichtet haben.
„Macht Arbeit Spaß, oder sind wir zum Spaß hier?“, fragte neulich jemand beim Mittagessen. Die Antworten reichten von „Ich lebe, um zu arbeiten“ bis „TGIF“. Als gäbe es nur Hexen und Prinzen, äh, Pflicht und Passion. Dabei spielt das echte Leben in den Grautönen.
Wer von uns springt schon jeden Morgen mit einem Jubelschrei aus dem Bett, weil die geliebte Abstimmungsschleife wartet? Und trotzdem gibt es sie: diese Momente, in denen eine Idee zündet, ein Projekt gelingt oder ein gemeinsames Lachen den ganzen Tag rettet.
Möglicherweise darf Arbeit weniger Märchen als Beziehung sein: mal prickelnd, mal alltäglich, manchmal nervig. Wer nur nach dem Prinzen auf dem weißen Ross Ausschau hält oder wie die Prinzessin auf der Erbse über jede Unebenheit jammert, übersieht den Kaffee mit den Kollegen, das gemeinsam gelöste Problem, den Feierabend, der sich nach getaner Arbeit einfach gut anfühlt.
Den Frosch müssen wir dafür nicht küssen. Es reicht, ab und zu mit ihm über den Flur zu quaken.
Und wenn sie nicht gekündigt haben, dann arbeiten sie noch heute (gern).
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