KI wird uns nicht alle Jobs wegnehmen – aber sie verändert, wie wir Karriere machen, lernen und in den Beruf einsteigen.
Vor kurzem ging eine Meldung durch die Nachrichten, die selbst harte Tech-Optimistinnen und Optimisten kurz schlucken ließ: Ein KI-Forscher, der bei OpenAI und Anthropic am Training führender KI-Modelle mitgearbeitet hatte, kündigte. Sein Abschiedspost auf X erreichte binnen 24 Stunden fast 100 Millionen Menschen.
Seine Kernaussage: Die Menschen, die KI bauen, glaubten ernsthaft, dass sie uns alle noch vor Ende des Jahrzehnts umbringen könnte. Dann die nächste Schlagzeile: KI werde den Arbeitsmarkt bis 2030 komplett umkrempeln. Da fragt man sich schon: Warum überhaupt noch Gedanken an die eigene Karriere verschwenden?
Schauen wir uns die Zahlen an: Die maßgebliche Stanford-Studie (Brynjolfsson, Chandar & Chen), die im August 2026 überarbeitet wurde, zeigt: Die Beschäftigung 22- bis 25-Jähriger in stark KI-exponierten Branchen ist zwischen Ende 2022 und Mitte 2026 um 11 Prozent gesunken, während sie bei jenen in weniger exponierten Bereichen im selben Zeitraum um 10 Prozent gestiegen ist.
Es sind allerdings kaum klassische Kündigungswellen, sondern schlicht ausbleibende Neueinstellungen. Frei werdende Junior-Stellen werden einfach nicht mehr nachbesetzt. Die DZ Bank meldet für Deutschland: Arbeitslosigkeit unter jungen Akademikerinnen und Akademikern hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt.
Aber (und das geht zwischen Extinction-Warnungen gerne verloren): Das IAB prognostiziert für die kommenden 15 Jahre keinen Kollaps, sondern eine strukturelle Verschiebung: Rund 800.000 Jobs fallen weg, etwa 800.000 neue entstehen.
Und ja, klassische Junior-Aufgaben übernimmt zunehmend die KI. Aber das ist nicht das Ende des Berufseinstiegs, sondern seine Neuerfindung. Es entstehen neue Aufgaben sowie andere Prioritäten und Anforderungen. Laut NACE verlangen bereits über ein Drittel aller Einstiegsjobs KI-Kompetenzen – dreimal so viele wie im Herbst 2025. Wer diese Skills mitbringt, verdient laut Lightcast im Schnitt 28 Prozent mehr. Über die Hälfte dieser Stellen liegt in Marketing, HR und Kommunikation.
Das Ende der Welt steht also vielleicht noch nicht bevor und KI wird uns auch nicht alle Jobs wegnehmen. Daher lohnt es sich immer, über die eigene Karriere nachzudenken: Bei den Young Pros ist auf jeden Fall die Neugier da, der Wille auch und Berührungsängste mit KI gibt es wenig. Was es jetzt noch braucht, sind mutige Unternehmerinnen und Unternehmer, die wieder mehr Junior-Stellen ausschreiben.
Zur Autorin:
Jasmin Stiegler ist als Junior Manager Business Development & Growth bei Burson Deutschland tätig und unterstützt die DPRG-Landesgruppe Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland als Young Professionals-Beauftragte. Zuvor hat sie durch ihr duales Bachelor-Studium im Studiengang Kommunikation & PR an der iu Internationale Hochschule in Mainz erste Erfahrungen in allen Bereichen der Kommunikation gesammelt.
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