Sichtbarkeit ist heute keine Eitelkeit mehr, sondern berufliche Risikovorsorge.
Laut PR-Trendmonitor 2026 betrachtet fast jeder vierte Kommunikationsprofi seinen Job heute als unsicher – 2025 war es noch jeder Siebte. Fast die Hälfte rechnet mit schrumpfenden Budgets. Und fast jeder Dritte beobachtet einen sinkenden Stellenwert von Kommunikation im eigenen Unternehmen.
Ich höre mich selbst lautstark widersprechen – ist doch Kommunikation in Zeiten von Krisen und existenziellen Veränderungen doch besonders wichtig. Aber wer darauf hofft, dass die Arbeit für sich spricht, anstatt über die eigene Arbeit zu sprechen, macht einen Fehler. Wer in dieser Lage unsichtbar bleibt, riskiert nicht nur, übersehen zu werden. Damit lieferst du den Beweis gleich mit: dass es auch ohne dich geht.
Bescheidenheit gilt als Tugend, Zurückhaltung als Professionalität. Die Arbeit spricht für sich – so lautet häufig noch immer das Credo. Wäre schön.
Denn niemand katalogisiert still im Hintergrund, was du geleistet hast. Deine Chefin ist mit ihrem eigenen Kram beschäftigt. Deine Kolleginnen und Kollegen auch. Das ist keine Bosheit, das ist Realität – gerade jetzt, wo in den meisten Organisationen Erwartungen – und mit ihnen der Druck – steigen.
Als Kommunikationsmenschen wissen wir, wie man Botschaften platziert, Themen setzt und Menschen ins richtige Licht rückt. Für andere tun wir das täglich. Und für uns selbst? Tun wir es überhaupt? Und wenn ja: Stärken wir damit wirklich unsere eigene Sichtbarkeit – oder wieder nur die von Unternehmen, Führungskräften oder Marken, für die wir kommunizieren?
Wer anderen eine Stimme gibt und dabei selbst verstummt, macht einen Fehler. Es geht aber keinesfalls darum, sich lautstark in den Vordergrund zu drängen. Es geht darum, die eigene Sichtbarkeit genauso ernst zu nehmen wie die anderer. Den eigenen Namen und den eigenen Erfolg gelegentlich selbst in den Raum zu tragen. Ohne schlechtes Gewissen.
Sichtbarkeit ist heute keine Eitelkeit mehr, sondern berufliche Risikovorsorge. Wer das Scheinwerferlicht immer nur auf andere richtet, steht irgendwann selbst im Dunkeln.
Kontakt zur Autorin: kontakt@mirjam-berle.de