Können wir das aushalten? Dass andere sichtbarer sind, mehr Aufmerksamkeit bekommen, mehr Zuspruch?
Sichtbarkeit ist eine Währung. Das wissen wir nicht erst seit Baby Schimmerlos in Kir Royal. Legendär die Tirade von Mario Adorf als Heinrich Haffenloher – eine Figur, die bis heute präziser über Öffentlichkeit Auskunft gibt als manches Medienseminar und ihn unsterblich macht. Seit der Erstausstrahlung 1986 hat sich an der Grundlogik wenig geändert: Wer gesehen wird, findet statt.
Als Kommunikationsverantwortliche sind wir Teil dieses Spiels. Wir erzeugen Sichtbarkeit – und versuchen zugleich zu verhindern, dass wir oder jemand anderes sich um Kopf und Kragen redet.
In Japan gibt es dafür ein Sprichwort: Deru kui wa utareru. Der vorstehende Nagel wird eingeschlagen. Wer zu sehr auffällt, wird zurechtgestutzt. Das klingt nach fernem Kulturklischee, ist aber erschreckend vertraut. Wer schon einmal miterlebt hat, wie schnell Erfolg andere blendet und Sichtbarkeit in Missgunst umschlägt, erkennt den Mechanismus sofort.
Das Hinterhältige daran ist, dass es zum Zuschlagen keinen triftigen Grund braucht. Auffallen reicht. Und wer zuschlägt, folgt selten der Sachlogik, sondern meist Gefühl, selbst zu kurz zu kommen.
Können wir das aushalten? Dass andere sichtbarer sind, mehr Aufmerksamkeit bekommen, mehr Zuspruch? Oder meldet sich leise jener Impuls, der den Hammer schon längst in der Hand hält?
Sichtbarkeit wird nicht knapp, weil sie es wäre. Sie wird knapp gemacht – durch Verhalten, durch Dynamiken, die wir oft selbst mit erzeugen.
Wie gehen wir selbst damit um? Erkennen wir an – oder schlagen wir ein? Halten wir aus, dass andere wachsen, und entscheiden dabei bewusst, ob mitwachsen?
Haffenloher hätte das vermutlich nicht verstanden. Aber wir sind ja nicht er.
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