Please wait...
News / Geliehene Macht ist kein Kapital
Mirjam Berle
22.03.2026   Glosse
Geliehene Macht ist kein Kapital
„Im Namen des Vorstands …“ – „Die Chefin hat das so entschieden.“ Wer Sätze wie diese kennt, weiß: Sie öffnen Türen, die sonst geschlossen bleiben. Und schließen Diskussionen, die sonst kein Ende finden.
Solche Sätze leben von geliehener Macht. Mal geben sie ein Mandat, mal geben sie Rückendeckung – manchmal mit dem unausgesprochenen Zusatz: Hinter mir steht jemand mit mehr Gewicht. Organisationen funktionieren nun mal so und das ist auch nicht grundsätzlich problematisch.

Problematisch wird es, wenn wir vergessen, dass geliehene Macht eine Art Kredit auf Zeit ist. Solche Kredite wollen verantwortungsvoll eingesetzt werden – besonders dort, wo wir uns damit das Vertrauen oder zumindest Mitmachbereitschaft erkaufen: bei Restrukturierungen, Budgetkürzungen, Personalentscheidungen. Dieser Kredit der Macht ist in solchen Momenten unverzichtbar.

Manchmal ist die Versuchung groß, sich hinter ihr zu verschanzen. „Das ist die beschlossene Linie.“ „Daran lässt sich nichts ändern.“ Solche Sätze inflationär genutzt kosten Vertrauen. Denn wer sich ausschließlich auf fremde Autorität beruft, wirkt auf Dauer nicht wie jemand, der etwas zu sagen hat. Sondern wie jemand, der etwas ausrichten soll.

Boten werden hingenommen. Als Autorität wahrgenommen werden sie selten.

Macht, die wir uns leihen, entbindet uns daher nicht von der Pflicht, auf Beziehungen einzuzahlen. Im Gegenteil: Je größer das Mandat, desto höher die Erwartung an Glaubwürdigkeit.

Hier liegt eine feine, aber folgenreiche Unterscheidung: zwischen sich wichtig machen und sich wichtig nehmen. Wer sich wichtig macht, verweist auf die Hierarchie über sich. Wer sich wichtig nimmt, übernimmt Verantwortung für das Gesagte.
 
„Diese Entscheidung ist gefallen. Und ich stehe hier, um sie zu besprechen.“ Das ist etwas anderes als: „Ich kann auch nichts dafür, dass das so entschieden wurde – wir müssen es jetzt umsetzen.“ Beides lässt sich sagen. Nur eines davon zahlt auf die eigene Autorität ein.

Manchmal lohnt sich daher der Gedanke: Was bliebe von unserer Wirkung, zögen wir das Mandat ab? Geliehene Macht ist kein Kapital. Wer nie anfängt, eigenes aufzubauen, sitzt irgendwann vor einem leeren Konto.
 
Kontakt zur Autorin: kontakt@mirjam-berle.de
Weitere Themen
04.02.2024
15.04.2024
Branchenpartner
Die NEWS der DPRG werden unterstützt von
Sie wollen immer auf dem Laufenden sein? Bestellen Sie jetzt unseren Newsletter!