Was passt am besten, um auf verschneiten, teilweise eisgefrorenen Straßen vorwärts zu kommen? Worin sehe ich angemessen angezogen aus? Und womit komme ich halbwegs unbeschadet von A nach B? Was gibt mir den richtigen Grip, damit ich nicht wortwörtlich aufs Glatteis geführt werde?
Meine silbernen fellgefütterten Schuhe reihen sich ein in Wanderschuhe zum Bleistiftrock oder Spikes unter Ledersohlen. Weil die Frage eben nicht lautet: „Was sieht gut aus?”, sondern: „Was bringt mich sicher ans Ziel?” Die Anzughosen-Träger mit ihren polierten Lederschuhen? Rutschen. Die High-Heel-Fraktion? Wackelt. Wer hier erfolgreich navigieren will, braucht mehr als gutes Aussehen – es braucht Bodenhaftung.
Vielleicht können wir das metaphorisch auf vieles übertragen, was uns in der Kommunikation beschäftigt.
Nicht jeden Schuh sollten wir uns zu jedem Zeitpunkt anziehen. Und doch müssen wir uns manchmal einen Schuh anziehen, den wir uns selbst nicht ausgesucht hätten. Schlicht, weil er in dieser Situation der Beste ist und uns sicher trägt.
Aber mal Hand aufs Herz: Wie oft sind wir mit dem sprichwörtlich falschen Schuhwerk unterwegs? Wie häufig merken wir gar nicht, dass wir uns den falschen Schuh anziehen und uns damit unnötigen Risiken aussetzen. Weil wir denken, es gehört sich so? Weil es immer so war. Weil wir glauben, so müsse das sein.
Was wir daher auch im metaphorischen Sinne nicht vergessen dürfen: zur richtigen Zeit die Schuhe zu wechseln. Manchmal lohnt es sich, ein paar Ersatzschuhe mitzunehmen, um flexibel zu bleiben.
Was hilft es uns, wenn wir große Fragen beantworten wollen, während wir schon bei den kleinen ins Schleudern kommen?
In diesem Sinne: Welchen Schuh ziehst du dir heute an? Und welchen ziehst du dir aus – schlicht, weil er in der Situation, in der du dich gerade bewegst, der falsche ist? Auch wenn er noch so gut aussieht.
Kontakt zur Autorin: kontakt@mirjam-berle.de