Es gibt ein Wort beziehungsweise Thema, bei dem ich mir mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit ein kollektives Augenrollen einhole: Werte.
Gerade scheinen Werte jedoch eine Art Revival zu erleben: Zuverlässig tauchen Werte in Umfragen, Interviews, Artikeln oder Posts auf. Einigkeit herrscht dabei meist darüber, dass Werte irgendwie wichtig sind. Dass Werte zum guten Unternehmenston gehören. Was wäre beispielsweise Haltungskommunikation als strahlender Stern am Kommunikationshimmel ohne Werte? Genau, sie wäre wertlos.
Viel Zeit wird daher investiert, um wohlklingende Begriffe und Formulierungen für Unternehmenswerte zu finden. Schließlich sollen diese optimal zur gewünschten Wertschöpfung beitragen: motivierte Führungskräfte, engagierte Mitarbeitende, treue Kunden.
Kaum mit Pomp verkündet worden, zieren die erarbeiteten Werte bald Wände und Websites. Doch im Alltag? Verlieren Werte doch leider oft schnell an Aufmerksamkeit. Möglicherweise sind Werte manchmal ein bisschen wie das Trainingsoutfit, das wir voller Tatendrang gekauft haben. Einst öffentlichkeitswirksam gepostet, fristet es nun sein Dasein verlassen im Schrank.
Genau wie das Trainingsoutfit entfalten Werte ihre Wirkung erst, wenn wir sie tatsächlich leben. Klingt banal, ist es aber nicht. Denn das erfordert echte Arbeit. Solche, die sich nicht an eine Task Force oder eine externe Beratung delegieren lässt.
Es braucht Bereitschaft zur Selbstreflexion. Denn wer seine persönlichen Werte nicht kennt oder gar ignoriert, kann sie nicht pflegen und wird sich schwertun, denen des Unternehmens Leben einzuhauchen. Je besser wir uns mit unseren eigenen Werten verbinden, desto besser funktioniert auch die Verbindung mit den Unternehmenswerten. So können Werte sich von wohlklingenden Worten zu echtem Mehrwert wandeln.
Schöner Nebeneffekt: Wenn wir unseren eigenen Werten mehr Aufmerksamkeit schenken, erkennen wir auch leichter, in welches Unternehmen wir sie investieren möchten. Wer versenkt schon gern dauerhaft Wert?
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