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News / Eins noch…
Frank Behrendt
03.03.2024   Glosse
Eins noch…
Freundlichkeit als Geschäftsmodell
„Wir schließen am 31.01.2024 für immer.“ Das Schild im Schaufenster des Fotoladens an der Hauptstraße in meinem Kölner Veedel war nicht gerade sonderlich schön geschrieben. Warum auch, man wollte ja keine Kundinnen und Kunden mehr gewinnen. Allerdings tat der brummelige Ladeninhaber auch zuvor wenig dafür, ein Dienstleister zu sein, zu dem man gerne kommt.
 
Mißmutig stand er immer hinter seinem Ladentisch, wenn man nach einem bestimmten Rahmen suchte, wies er nur mit der Hand in den hinteren Teil des Ladens. Wenn man dort nicht das gewünschte fand, kommentierte er knapp: „Was nicht da ist haben wir auch nicht.“ Meine jüngste Tochter, digital native durch und durch, meinte beim Rausgehen: „Dann bestellen wir eben im Netz, mit amazon prime ist es morgen da.“ Meine Frau wurde vom Fotofachverkäufer einmal angeraunzt, weil sie sich erdreistete, einen Betrag von 17,95 Euro an der Kasse mit der EC-Karte bezahlen zu wollen. „EC-Zahlung gibt`s hier erst ab 20 Euro“, stellte der unfreundlichste Ladeninhaber des Viertels knapp und schneidend fest, es war sofort klar, das Gesetz war er. Meine Schwiegermutter traute sich schon gar nicht mehr in den vollgestellten Fotoladen hinein, nachdem er sie beim letzten Besuch angeblafft hatte. Sie hatte nichts Böses getan, nur kurz freundlich nachgefragt, weil sie mit ihrem Hörgerät den Nuschelmeister bei seinem ersten Ausspruch nicht verstanden hatte.
 
Irgendwann gingen wir nur noch hin, wenn neue Paßfotos benötigt wurden. Zwar meinte mein Teenie-Sohn, „daß der Typ nix drauf hat“, weil man auf den Fotos „wie ein Honk“ aussehen würde. Ich erklärte es mit den speziellen biometrischen Anforderungen an das Bild, auf dem man immer eher ein wenig wie auf einem „WANTED“ Plakat im Wilden Westen rüberkommt. Mein Junior hielt den Fotografen, der im Schaufenster auch anbot „ganz besondere Familienfotos“ zu machen, dennoch für „einen Looser“. Wahrscheinlich hat er Recht.
 
Fakt ist: Als Familie ließen wir uns dort nie ablichten - wer weiß wie wir dann ausgesehen hätten. Natürlich ist ein „Fotofachgeschäft“ aufgrund der Digitalisierung nicht mehr das große Zukunftsbusiness im Einzelhandel. Aber unsere analysestarke Familie hat sofort ermittelt, daß auch der kleine Laden überleben könnte, wenn er sein Angebot smart erweitert eine kundenfreundlichere Attitüde an den Tag gelegt hätte. „Eigentlich bin ich froh, dass der fiese Möpp weg ist“, erklärte Oma in bester Kölscher Attitüde.
 
Das neue KI-unterstützte „Self-Service-Terminal“, das im Kölner Bürgeramt den alten „Passbild-Automat“ ablöste, fertigt ruckzuck tolle Bilder an, auf denen man auch biometrisch „nicht so beknackt“ aussieht, stellte mein Sohn zufrieden fest. By the way kosten die sogar nur halb so viel, wie beim stets unfreundlichen Brummbär um die Ecke. Man kann sicherlich im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung den Tod von so manchem etablierten stationären Handelsoutlet betrauern, aber nicht immer ist das Verschwinden ein echter Verlust. Meine Jüngste meinte trocken: „Jetzt kann er sich zu Hause jeden Tag vor dem Spiegel selbst anmotzen.“

Kontakt zum Autor: frankzdeluxe@gmail.com
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