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News / Was du nicht sagst! – Zwischen Meinungsfreiheit und Sprachlosigkeit
Mirjam Berle
11.11.2023   Glosse
Was du nicht sagst! – Zwischen Meinungsfreiheit und Sprachlosigkeit
„Das darfst du nicht sagen“, raunt eine innere Stimme, als ich zum Sprechen ansetze. Weshalb nicht? Liegt mir nicht etwas Wichtiges auf der Zunge? Kontrovers? Sicher. Unbeliebt? Mag sein. Doch sollte es deshalb im Dunkeln bleiben? Oft richtet das Unausgesprochene mehr Schaden an als das Gesprochene.
Wenn Worte tabu sind, was bleibt von der Kunst der Kontroverse? Von der Inspiration des Dialogs? Jemand, dessen Gedanken ich schätze, äußerte: „Ich bin es müde, zu hören: Das kannst du denken, aber nicht sagen. Ich glaube nicht, dass das stimmt. Es gibt nichts Unsagbares, man muss nur bereit sein, die Konsequenzen zu tragen, wenn man es ausspricht.“
 
Da ist was dran.
 
Wieviel einfacher ist es, sich hinter einer Mauer des Schweigens wegzuducken oder anderen den Mund zu verbieten?
 
Wertschätzende Kommunikation heißt nicht, stumm zu bleiben. Sie bedeutet, Verantwortung für Gedanken UND Worte zu tragen. Sie erfordert sorgsame Wortwahl und das Abwägen ihrer Resonanz.
 
Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht nur, die eigene Meinung frei äußern zu dürfen, es bedeutet auch, die Verantwortung für die Wirkung der eigenen Worte zu übernehmen.
 
„Das sagt man nicht“ ist demzufolge ein schlechter Ratgeber. Ein guter Ratgeber ist, der dazu befähigt, die richtigen Worte und den Mut zur Reaktion zu finden.

Kontakt zur Autorin: kontakt@mirjam-berle.de
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