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Prof. Dr. Felix Krebber. Foto: Tobias Tanzyna
26.07.2022   News
Über gestern, wegen morgen: Geschichte als Thema
Die Barcamp-Session beim DPRG Zukunftsforum zu Corporate History Communication zeigte die Bedeutung des wachsenden Handlungsfeldes – weit über Marketing-Kommunikation hinaus. Referent und Diskutant*innen mahnten Unternehmen, Staaten und Kirchen zu verantwortungsvollem Umgang mit der Historie. Von Prof. Dr. Felix Krebber
Bei einem Zukunftsforum Unternehmensgeschichte zum Thema zu machen, erscheint zunächst paradox. Doch schnell zeigt sich, dass Vergangenheit Bedeutung für Gegenwart wie Zukunft hat. Etwa am Beispiel der Diskussion um Deutschlands Kolonialvergangenheit und die Rückgabe von Kulturgütern oder die Debatte um die NS-Vergangenheit von „Stern“-Gründer Henri Nannen.
 
Historische Ereignisse können Organisationen einholen und nicht erst im Krisenfall sind sie gefordert, verantwortungsvoll mit ihrer Geschichte umzugehen. Während dies einerseits zahlreiche Unternehmen und Organisationen bereits erkannt haben, klammern andere kritische Kapitel der eigenen Geschichte noch völlig aus.
 
Damit stehen sie der breiten gesellschaftlichen Forderung nach einem offenen Umgang entgegen. In einer bevölkerungsrepräsentativen Studie konnten wir nachweisen, dass rund 70 Prozent der Befragten erwarten, dass Unternehmen auch für dunkle Kapitel in ihrer Geschichte Verantwortung übernehmen und öffentlich darüber berichten sollen.
 
Doch Unternehmensgeschichte ist selbstverständlich nicht allein geprägt durch Schattenseiten. Gerade am Arbeitsmarkt bietet die Historie wertvolles Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb um Fachkräfte. Gleiches gilt für die Attraktivität der Produkte von Traditionsunternehmen. So würden 67 Prozent der Befragten Traditionsunternehmen als Arbeitgeber bevorzugen, 45 Prozent ihre Produkte.
 
Die benannten Stakeholder und Themen zeigen, dass Geschichte ein Querschnittsthema ist und viel mehr mit morgen als mit gestern zu tun hat, was auch Tenor der BarCamp-Session beim Zukunftsforum war. Nachdem hier zunächst Unternehmensgeschichte im Mittelpunkt stand, wurde der Blick in der Diskussion geweitet und auf sämtliche Organisationen gelenkt. Staaten und Kirchen etwa müssten stärker und offener in den öffentlichen Diskurs zu Verfehlungen in der eigenen Vergangenheit eintreten.
 
Ausgangspunkt der Diskussion waren fünf Thesen, die unter dem Dach des neu gegründeten Forschungszentrums Center for History & Corporate Communication – einer Initiative der Günter Thiele Stiftung, entwickelt wurden und hier dokumentiert werden. Professionelle Corporate History Communication ...
 
  • betrifft alle Stakeholder eines Unternehmens und darf nicht alleine auf die Perspektive der Marketingkommunikation verengt werden.
  • wird nicht punktuell zu Jubiläen „wach“, sondern hat nach außen ein aufmerk­sames Themenradar und ist nach innen eng abgestimmt mit Unternehmensarchiv und Historiker*innen.
  • lässt das Unternehmen zu Verfehlungen in der Vergangenheit stehen und zeigt auf, was das Unternehmen für die Zukunft daraus gelernt hat.
  • motiviert Mitarbeiter*innen, prägt eine unverwechselbare Unternehmenskultur und macht das Unternehmen auch für Bewerber*innen attraktiv.
  • differenziert die Produkte durch einzigartige Innovationen in der Vergangenheit und eine nicht nachahmbare Tradition.

 
Der Beitrag ist ein Auszug aus dem aktuellen DPRG-Journal, das als Beihefter in der Ausgabe 4 des PR-Report erscheint. In der Mediathek der Mitglieder-App DPRG.mobil kann die Ausgabe als PDF-Datei gelesen werden.
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