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News / Von Verschwörungsmythen und Fake News
Michail Paweletz
23.03.2022   Norddeutschland
Von Verschwörungsmythen und Fake News
Die DPRG Nord im Gespräch mit tagesschau Moderator Michail Paweletz. Ein Bericht von Kerstin Feddersen.
Es gibt bekannte Narrative, über die wir schmunzeln können: Das Corona-Virus ist harmlos, hinter den Anschlägen vom 11. September stecken die USA und die Bundesrepublik Deutschland ist gar kein Staat, sondern eine Firma. Verschwörungsmythen sind jedoch starke Manipulatoren und der Nährboden für Fake News. Untersuchungen zeigen, dass in den USA ca. 40 Prozent der Menschen offen sind für Verschwörungsmythen, in Deutschland sind es rund ein Drittel der Bevölkerung, und das quer durch alle Bildungs- und Altersschichten.
 
In Ausnahmesituationen haben Fake News Hochkonjunktur
 
Journalist*innen haben täglich mit vermeintlichen Fakten zu tun. In der Lunch-Gesprächsrunde der Landesgruppe Nord am 21. März war einer zu Gast, der ihnen den Kampf angesagt hat: Michail Paweletz. Journalist und Hauptmoderator der Nachmittagsausgabe der tagesschau. Gemeinsam mit seiner Kollegin Anja Reschke beschäftigt er sich auch als Host des Podcast „Faktenfinder“ mit den Prinzipien der Verbreitung beziehungsweise Wirkung von Verschwörungsmythen sowie dem Umgang mit Fake News. Rund 75 Teilnehmer*innen nutzten ihre Mittagspause, um mit ihm in den Austausch zu Hintergründen und Aufdeck-Möglichkeiten zu kommen.
 
Eins wurde bei diesem Gespräch schnell klar: Wir haben es der manchmal vielleicht etwas kritisch beäugten konservativen Kultur der öffentlich-rechtlichen Medien zu verdanken, dass in diesen Formaten Fake News keinen Platz finden. Durch die Fülle der sozialen Medien haben das Tempo der Verbreitung und auch die Masse der Desinformation immens zugenommen. Fake News sind nicht nur „Schwachsinn“, sie beeinflussen und belasten uns. Gerade in Ausnahmesituationen, wie die Corona-Pandemie oder aktuell der Krieg in der Ukraine, haben sie Hochkonjunktur.
 
Starkes Bedürfnis nach Information und Orientierung
 
Das liegt vor allem daran, dass wir Menschen im Klima der allgemeinen Verunsicherung ein starkes Bedürfnis nach Information und Orientierung haben. Die Recherche zur Aufdeckung gezielter Falschmeldungen ist sehr zeitaufwendig – zum Leidwesen der Newsredaktionen – und am Ende immer eine Kombination aus Prüfkriterien.
 
Aber wie erkennen die Profis in den Redaktionen und auch wir selbst denn nun manipulativ verbreitete „Neuigkeiten“? Indem sie nach der Quelle forschen: Wer veröffentlicht wo? Welches Profil steckt dahinter und wie alt ist es? Hat die Person noch andere Konten? Auch ein Blick auf Kommentare lohnt sich. Bei Bildern hilft die Suche nach Plausibilität: Passen Wetter, Uhrzeit und Upload-Datum? Eine forensische Analyse zeigt, ob etwas manipuliert wurde. Daneben helfen bei Bildern, Videos und Tweets auch diverse Tools, die wir unter diesem Text aufgelistet haben.
 
Gesunde, kritische Distanz als Grundhaltung
 
Auf die Frage nach Tipps, mit denen wir uns in der täglichen Informationsflut vor Fake News schützen können, rät Michail Paweletz vor allem zu einer gesunden, kritischen Distanz als Grundhaltung. Darüber hinaus kann man bewusst die Menge an Informationen reduzieren, der man sich aussetzt und sich für Medien entscheiden, deren oberstes Gebot die Verbreitung von seriös verifizierten Inhalten ist.
 
Und was ist mit PR? Den zuhörenden Kommunikationsprofis aus ganz Deutschland gab Paweletz vor allem eins mit auf den Weg. Die Suche nach der Wahrhaftigkeit sollte uns allen ein gemeinsames Anliegen sein. Deshalb sei die Transparenz in PR-Texten für Journalist*innen das A und O. Man müsse nicht alles zu sehr aufplustern, es könne ruhig mal etwas schnöder sein. Das spart auf beiden Seiten Zeit und schafft Vertrauen.
 
Links:

Tools zur Bildverifikation:

 
Autorin: Kerstin Feddersen, MontuaPartner Communications
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