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News / Klickquote wichtiger als Inhalte?
Simon Kruschinski, Ina Knobloch, Matthias Dezes, Matthias Fritton, Thorsten Klein (v.li.n.re.)
Klickquote wichtiger als Inhalte?
Auf einer Gemeinschaftsveranstaltung von DPRG, Cluk und FPC stand die politische Kommunikation auf dem Prüfstand.
Die Kommunikation der politischen Parteien in diesem Bundestagswahlkampf wurde von den Podiumsteilnehmern durchgängig als sehr unbefriedigend bewertet, es sei ein Wahlkampf der Nebensächlichkeiten gewesen, stellte Moderator Matthias Dezes fest. Den Ursachen für diesen Mangel versuchte am 20. September die gemeinsame Veranstaltung der DPRG, des Clusters der Kreativwirtschaft (Cluk) und des Frankfurter Presseclubs (FPC) auf den Grund zu gehen. Der Titel lautete: Braucht die Politik einen neuen Kommunikationsstil?
 
Der Kommunikationswissenschaftler Simon Kruschinski konstatierte eine Professionalisierung der Politikvermittlung durch die Übernahme von Marketingstrategien aus der Wirtschaft. Darin liege allerdings auch ein gravierender Fehler, da das Vermitteln von politischen Meinungen ganz anderen Mechanismen unterliege als die Vermarktung von Produkten. Zwar verstehe sich die AfD als einzige Partei erfolgreich auf die Social Media, aber man müsse sich als Politiker die Frage stellen, ob die Klickquote wichtiger als die Inhalte sei.
 
Ironisch ergänzte Thorsten Klein, ehemaliger Regierungssprecher der Staatskanzlei Saarland und Autor des Buches Algokratie: Eine Nachricht, die im Netz nicht geteilt werde, sei keine Nachricht. Da es bei den Social Media nahezu ausschließlich um Emotionen gehe, sei es eine der ganz großen Herausforderungen für die politische Kommunikation, darauf rational zu reagieren.
 
Claudio Montanini, Präsident des Marketingclubs, beschrieb als Gast die Situation sehr desillusionierend: Die Parteien hätten keine Orientierung und die Spitzenkandidaten kein klares Profil, die Inhalte der Parteien passten nicht zu den ausgesandten Botschaften.
 
Als einen Grund für die Situation führte Kruschinski die Besonderheit an, dass zum ersten Mal kein Amtsinhaber kandidiere. Dies bedeute, sowohl die Parteien als auch die Kandidaten müssten sich neu erfinden. Klein fügte hinzu, dass die Schwankungen in den Äußerungen der Parteien auch zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit führten.
 
Nach Auffassung der Wissenschaftsjournalistin Ina Knobloch könnten aber auch die Kandidaten kaum noch Glaubwürdigkeit vermitteln. Durch die immer gleichen Politikberater gehe Individualität, Authentizität und damit Überzeugungsfähigkeit verloren.
 
Matthias Fritton, langjähriger Politikberater, forderte für alle Kandidaten und Parteien wieder größeren Respekt voreinander ein. Auch darin war sich das Podium einig. Jeder müsse bei sich selbst anfangen und sich überlegen, ob er den schnell hingeschriebenen Post auch unter vollem Namen als Leserbrief in der Zeitung veröffentlichen würde. Fritton schlug darüber hinaus einen vermehrten Austausch der unterschiedlichen Milieus vor. So sollten Politiker auch einmal eine Zeitlang in der Wirtschaft arbeiten und Führungspersonal aus den Unternehmen sich auch in der Politik umtun.
 
Das Podium hat zu der politischen Kommunikation die Sichtweisen von Journalisten, Praktikern und Wissenschaftlern zusammengebracht und so dem Publikum einen sehr anregenden Abend beschert.
 
Eine Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier.
 
Autor: Nikolaus Münster, Frankfurter Presseclub

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