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Barrierefreie Kommunikation in der Kinder- und Jugendhospiz-Arbeit
Seit 2018 ist Mathias Nowotny für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Köln als Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterwegs. Im Gespräch mit René Neumann von der Plattform barrierefreie Kommunikation der DPRG spricht er über seine Arbeit und die Themen "Barrierefreiheit" und "Inklusion".
René Neumann: Was macht der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Köln (AKHD)?
 
Mathias Nowotny: Wir begleiten seit 15 Jahren Familien, deren Kinder lebensverkürzend oder lebensbedrohlich erkrankt sind. Geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter*innen unterstützen Eltern und Angehörige, um die schwierige Lebenslage zu meistern. Begleitung bedeutet, dass die freiwilligen Helfer*innen meistens einmal pro Woche zur Familie nach Hause kommen und dort Zeit mit dem erkrankten Kind oder den Geschwistern verbringen. Außerdem besuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen die erkrankten Kinder in den Kinderkliniken und begleiten sie im Alltag. Aktuell unterstützen rund 140 Menschen in ihrer Freizeit 80 Familien in Köln, Leverkusen und Bergisch Gladbach.
 
Wie geht ihr mit den Themen “Barrierefreiheit” und “Inklusion” in der Öffentlichkeitsarbeit um?
MN: Für uns als Einrichtung, die Kinder und Jugendliche mit physischer und psychischer Behinderung begleitet, sind diese beiden Themen immens wichtig! Uns ist es wichtig, gerade diese jungen Menschen trotz eingeschränkter Mobilität nicht auszuschließen.
 
Kannst du ein Beispiel nennen?
MN: Gerne. Vor kurzem haben wir ein Kooperations-Event mit unseren Netzwerkpartnern, dem Bürgerzentrum Köln-Nippes und dem Automobilhersteller Ford veranstaltet. Wir haben die Kinder und Jugendlichen, die wir begleiten, bei strahlendem Sonnenschein zu einem Gaming-Event der besonderen Art eingeladen. Einen Tag lang konnten sie in einem barrierefrei gestalteten Bulli nach Herzenslust auf der XBox daddeln! Das Tolle an der Aktion war nicht nur, dass auch Kinder im Rollstuhl das Angebot nutzen konnten, sondern dass hier junge Menschen mit und Menschen ohne Behinderung in den Austausch kommen konnten. Mit solchen Aktionen möchten wir klarmachen: Egal, ob du nun im Rollstuhl sitzt oder nicht - Du bist gut, so wie du bist.
 
Du sagst, dass eure Einrichtung überwiegend von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen getragen wird. Wie kommunizieren die freiwilligen Helfer*innen in der Begleitung mit den erkrankten Kindern und Jugendlichen?  
MN: Da jede Begleitung einzigartig ist, kann ich hier keine pauschale Antwort darauf geben. Wir begleiten zum Beispiel Kinder mit einer Duchenne Muskeldystrophie. Das ist eine Muskelerkrankung, die sich in der frühen Kindheit manifestiert und zu Muskelschwäche, Atrophie der Muskulatur und Rollstuhlpflicht führt. Mit Kindern, die an Duchenne erkrankt sind, ist die Kommunikation grundsätzlich verbal möglich. Wir begleiten aber auch Kinder, die nicht oder nicht mehr sprechen können. Hier erfolgt die Kommunikation meist durch Mimik und Gestik. Das Kind kann seiner Begleitung etwa durch aufgerissene Augen mitteilen, dass es Schmerzen hat oder durch ein Lächeln zeigen, dass ihm das Spielen oder die Geschichte, die ihm gerade erzählt wird, Freude bereitet.
 
Welche Barrieren begegnen dir in deinem Arbeitsalltag?
MN: Ein Aha-Erlebnis hatte ich ganz am Anfang meiner Tätigkeit: Im Rahmen einer Begegnungswoche in Köln, bei der ehrenamtliche Mitarbeiter*innen mit erkrankten Kindern und Jugendlichen für einen längeren Zeitraum miteinander in den Austausch gehen konnten, war ich für die Buchung eines Restaurants am ersten Abend zuständig. In Köln ist die kurzfristige Reservierung eines Tisches für 30 Personen ja nicht ganz einfach. Trotzdem konnte ich noch einen schönen Tisch ergattern, was mich sehr gefreut hat. Als ich das den jungen Teilnehmer*innen mitteilte, war die erste Frage: “Ist das Restaurant denn auch ebenerdig zugänglich?” Ich musste peinlich berührt zugeben, dass ich das nicht wusste. Ich hatte bei der Buchung nicht auf dem Schirm, dass 15 Rollstuhlfahrer*innen natürlich kein Restaurant besuchen können, welches nur über Treppen erreicht werden kann. Ich hatte aber Glück. Das Lokal, in dem ich reserviert hatte, war barrierearm ausgestattet. Es befand sich im Erdgeschoss und behindertengerechte WCs gab es auch!“


Die Plattform „barrierefreie Kommunikation“  
Die DPRG will mit ihrer Plattform „barrierefreie Kommunikation“ einen Anstoß und Unterstützung im Berufsalltag liefern. Im ersten Schritt können sich DPRG-Mitglieder in ihrer App DPRG.mobil auf den Seiten des Arbeitskreises Gesundheitskommunikation informieren und austauschen Tipps und Tools finden sich in der Checkliste „Barrierefrei kommunizieren“ exklusiv für DPRG-Mitglieder in der App DPRG.mobil (app.dprg.de) beim Arbeitskreis Gesundheitskommunikation. Kennen Sie weitere hilfreiche Angebote? Schreiben Sie uns oder vernetzen Sie sich mit der Plattform Barrierefreie Kommunikation.
 
E-Mail: gesundheitskommunikation@dprg.de
 

Arbeitskreis

Gesundheitskommunikation

Der Arbeitskreis Gesundheitskommunikation untersucht die Besonderheiten der Public Relations im Rahmen der professionellen Kommunikation im Gesundheitswesen. Unser Ziel ist es, daraus Fachwissen für den Verband zu generieren. Nicht zuletzt geht es darum, die sich schnell wandelnden Anforderungen an die Gesundheitskommunikation zu antizipieren und die auf diesem Gebiet tätigen Mitglieder bei ihrem beruflichen Erfolg zu unterstützen.
 
Der Arbeitskreis trifft sich mindestens zweimal im Jahr an zentralen Orten. Im Mittelpunkt der Treffen stehen Kurzvorträge externer Referenten zur Gesundheitskommunikation, die Diskussion von Best Practices sowie das Netzwerken. Diese Treffen werden ergänzt durch quartalsweise Telefonkonferenzen und durch Zusammenarbeit einzelner Mitglieder an Projekten.
 
Kontakt: gesundheitskommunikation@dprg.de

Ansprechpartner

Zora Hocke-Bolte

Researcher

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