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23.06.2021   Niedersachsen/Bremen
Podcasts: „Die Technik muss stimmen – noch wichtiger ist aber Herzblut fürs Thema“
Der Podcaster Ingo Stoll war am 14. Juni zu Gast bei der DPRG Niedersachsen/Bremen. In diesem Beitrag erfahren Sie, worauf es beim Podcasten ankommt.
Podcasts sind im Kommunikationsmix von Unternehmen und Organisationen angekommen – Grund für die DPRG-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen, auf Initiative ihres Vorstandsmitglieds Shiloo Köhnke eine kleine Veranstaltungsserie rund ums Thema Podcasts zu schaffen. Zu Teil I mit Gastreferent und Audiograf Ingo Stoll am 14. Juni kamen rund 50 Teilnehmende. Es ging um die Gründe, warum Podcasts derzeit so angesagt sind, und worauf man technisch und inhaltlich achten sollte, um sein eigenes Podcast-Angebot erfolgreich zu machen.
 
Das Fazit von Ingo Stoll: „Bei der Technik muss alles stimmen, denn eine schlechte Audioqualität verzeiht heute keiner mehr. Beim Inhalt ist viel mehr möglich: von Format und Länge des Podcasts über die Themen bis hin zu den Sprecher*innen. Authentizität und Leidenschaft fürs Thema finde ich wichtiger als beispielsweise eine professionelle Sprecherausbildung. Denn die Zuhörenden mögen es, wenn eine echte Persönlichkeit über ein Thema spricht, das sie selbst wirklich interessiert – dann fühlen sie sich abgeholt, und der bekannte Funken springt über.“
 
Audiograf – was ist das eigentlich?
 
Unser Gastreferent Ingo Stoll ist Marketingexperte, Podcaster und Deutschlands erster „Audiograf“. Was das ist? Stoll erklärt es so: Audiografie ist Fotografieren zum Zuhören. Mit Sprache wird dabei ein Bild im Kopf der Zuhörenden erschaffen.
 
Ingo Stoll beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit Podcasting. Sein eigener Podcast „Masters of Transformation Podcast (MoTcast)“ verzeichnet seit 2014 über 400.000 Downloads und gehört damit zu den beliebtesten Audiomagazinen im deutschsprachigen Raum. Heute begleitet Stoll Unternehmen im Corporate Podcasting und experimentiert als Audiokünstler mit neuen auditiven Formaten. 
 
Warum Podcasts angesagt sind
 
Zunächst aber ging es darum, warum Podcasts derzeit so angesagt sind. Heute nutzen fast 24 Millionen Deutsche regelmäßig Podcasts, 78 Prozent von ihnen bis zu drei Stunden pro Woche (Quelle: www.radioszene.de). Während der Zeit der Coronakrise hat dieser Trend zu rein auditiven Angeboten noch einmal zugenommen.
 
Vier Gründe, warum auditive Angebote derzeit angesagt sind:

1. Audio war das letzte Nischenmedium und ist noch nicht „ausgelutscht“.
2. Audio erlaubt die Nebenbei-Nutzung, also zum Beispiel unterwegs, beim Autofahren, Sport, Spazieren, Kochen oder auch bei der Hausarbeit usw.
3. Die Technik ist einfacher und zugänglicher geworden, für Anbietende und für Hörer*innen. Oder mit den Worten von Seth Godin: „Podcasting is the new blogging.“ Also die Demokratisierung des Audios. Das führt zu mehr Angeboten, höherer Verfügbarkeit und letztlich auch mehr Qualität.
4. Audio spricht Menschen emotionaler an als Text oder Webseiten – das erfüllt die Sehnsucht nach Authentizität. Und Zuhörer*innen müssen ihre Vorstellungskraft einsetzen.
 
Worauf es beim Podcasten ankommt – Ingo Stolls Essentials
 
Viele Unternehmen oder Organisationen fragen sich jetzt vielleicht: „Sollen wir auch einen Podcast machen?“ Dazu Ingo Stoll: „Etwas nur deshalb zu machen, weil alle anderen es auch machen – das Ergebnis braucht keiner.“ Stattdessen sollte es darum gehen, etwas Neues und Anderes zu machen, das man mit seinen anderen Medien noch nicht so umsetze. Die Podcast-Technik kann heute jede*r schnell lernen und einsetzen. Schwierig ist dagegen, wie man Qualität in den Podcast reinbringt und so die Hörer*innen anspricht.
 
Stolls Essentials für Podcasts:


  • Beim Inhalt, beim Thema und auch beim Format aus der Hörersicht denken – „What’s in it for me?“ Was ist an einem Menschen, einer Gruppe oder einer Organisation spannend? Wie ist deren Weg oder Geschichte und wie kann ich dies im Audio darstellen. Ingo Stoll: „Die Zuhörenden mögen es, wenn eine echte Persönlichkeit über ein Thema spricht, das sie selbst wirklich interessiert. Dann fühlen sie sich abgeholt, und der bekannte Funken springt über.“
  • Es ist nicht so wichtig, alles „richtig“ zu machen, und man muss auch nicht perfekt vorbereitet sein. Schließlich lernt man Podcasten nur beim Machen, und die Lernkurve ist schnell. Podcasts brauchen Ecken und Kanten, Seele und Charakter. Ingo Stoll: „Authentizität und Leidenschaft fürs Thema finde ich wichtiger als beispielsweise eine professionelle Sprecherausbildung.“
    Bei Podcasts liege eine große Chance darin, einer Person oder einem Unternehmen und deren Geschichte eine eigene, unverwechselbare Stimme zu geben. Dabei müsse man den Status des Unperfekten aushalten können – sonst wirke es schnell „zu glatt“.
  • Wichtiger als gute Fragen fragen ist das Zuhören (können). Natürlich spricht man vorher grob über die Inhalte und Fragen. Aber im Detail genau abgestimmte Fragen sorgen für einen Podcast ohne Überraschungen. Und: Wer einen Corporate Podcast macht, sollte sich vorher darüber klar sein, dass Fragen und Themen angesprochen werden (können), die die Menschen auch wirklich interessieren. Und nicht nur das, was die Corporate Communications-Abteilung gerne öffentlich hören möchte.
    Eine willkommene Abwechslung zum Frage-Antwort-Spiel bringen Gesprächstechniken aus der Intervention. Und auch klug eingesetzte Pausen führen zu überraschenden, nicht gescripteten Inhalten.
  • Beim Format gibt es so viel mehr als Interviews. Wichtig ist, dass das Format zum Thema, zum Unternehmen bzw. der Organisation und natürlich zur Podcasterin, zum Podcaster passt. Es ist eigentlich alles erlaubt, was sich gut anfühlt. „Nutzt die Stimme, um Authentizität und Emotionalität zu erreichen“, rät Ingo Stoll. Und: „Hört im Zweifel auf Euer Bauchgefühl.“
  • Nicht gleich an Reichweite denken. Wichtiger sei die (beständige) Qualität eines Podcast, denn nur damit erziele man echte Wirkung statt einer hohen Zahl an Kontakten.


Essential: Gute Technik ist das A und O
 
Während bei den Inhalten sowie den Podcastenden und ihren Gästen Leidenschaft, Spontaneität und Authentizität wichtig sind, gilt das bei der eingesetzten Technik nicht.
 
Stoll: „Bei der Technik muss alles stimmen, denn eine schlechte Audioqualität verzeiht heute keiner mehr.“ Hier kommt es vor allem auf einen guten Raum an, in dem sich Podcastende und ihre Gäste wohl fühlen. Also kein Besprechungsraum. Und der Raum darf keinen Hall erzeugen.
 
Für das Aufzeichnen empfiehlt Ingo Stoll eine reine Audio-Plattform statt einer gemischten wie Videokonferenz-Tools. Sein Favorit: „ipDTL“. Außerdem sind zwei gute Mikros und Kopfhörer wichtig, und er empfiehlt, zwei getrennte Tonspuren aufzuzeichnen. Dann können man u. a. später besser Störendes rausschneiden. Sinnvoll kann auch spezielles Mikrozubehör sein, das Hintergrundgeräusche abmildert.
 
Tipps und Tricks zum Podcasten
 
Nach dem Vortrag zeigten die vielen Fragen das große Interesse der Teilnehmenden, und am Ende gab es viele herzliche Dankeschöns an den Referenten Ingo Stoll.
 
Hier noch einige allgemeingültige Tipps und Tricks aus der Fragerunde:


  • Eine gute Gesprächsatmosphäre unterstützt Ingo Stoll mit ausführlichen Briefings im Vorfeld und indem er sich bei der Aufnahme viel Zeit für jeden Gast nehme. Der Mensch steht stets im Mittelpunkt. Manchmal schneidet er „von hinten“, weil sein Gesprächspartner erst in der zweiten Hälfte wirklicht entspannt ist.
  • Bei sprachlichen Defiziten der Gäste (kein Muttersprachler; Sprachfehler) kommt es darauf an, ob sie eine spannende Geschichte erzählen und dabei sympatisch rüberkommen. Manchmal kann man erst im Nachhinein entscheiden, ob der Podcast gelungen ist und veröffentlicht werden sollte. Wichtig ist der offene Umgang damit, indem man das mit den Gästen vorher anspricht und zum Beispiel auch bei Anmoderation und Begrüßung offen thematisiert.
  • Es gibt kein Richtig und Falsch dafür, wie lang und wie oft ein Podcast sein soll. Das hängt vom Thema und dem dafür gewählten Format ab. Das Thema, die Geschichte brauchen ausreichend Raum und Tiefe. Stoll rät zum Ausprobieren. Ist ein Podcast einer Reihe einmal ganz anders als sonst, kann man das im Trailer oder in der Anmoderation erklären.

 
Der abschließende Rat von Ingo Stoll: Beim Podcast einfach machen, ausprobieren, was funktioniert, auf seinen Bauch hören und das Unperfekte (außer der Technik) aushalten, dann lernen und weitermachen. „Am Wichtigsten ist, dass Ihr eine Idee umsetzt, auf die Ihr wirklich Lust habt. Dann kommt es bei den Zuhörer*innen wirklich an.“
 
Teil II am 5. Juli
 
Wer mehr über die Podcasting-Praxis wissen möchte: Teil 2 unserer Veranstaltungsserie gibt es am Montag, den 5. Juli 2021. Dann berichten die beiden engagierten Podcasterinnen Celina Krüger und Tamara Bresler über ihren eigenen Podcast „Nerdy. Dirty. Bold“, die Idee dahinter – und wie sie´s umsetzen.
 
Autorin: Tatja Stülten
Branchenpartner
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Landesgruppe

Niedersachsen/Bremen

Wie in den meisten Flächenländern hat die Kommunikationsbranche auch in Niedersachsen/Bremen ihren Schwerpunkt in der Landeshauptstadt Hannover. Dementsprechend setzen wir mit unseren rund 100 Mitgliedern hier einen Schwerpunkt unseres aktiven Networkings. Aber auch im kleineren Bundesland Bremen sind in den letzten Jahren neue Aktivitäten entstanden. Ein wichtiges Ziel der Landesgruppe ist es, die Mitglieder-Basis durch attraktive Themen und Angebote zu verbreitern. Neben bewährten Formaten, wie Abendveranstaltungen zu aktuellen Schwerpunktthemen, Unternehmensbesuchen und Podiumsdiskussionen sind wir immer offen für neue Ideen.

Kontakt: niedersachsen-bremen@dprg.de

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