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News / Disability Mainstreaming: Neue Sicht auf Behinderung
Ein authentisches Foto aus der Datenbank Gesellschaftsbilder.de. Foto: Andi Weiland/Sozialhelden
Disability Mainstreaming: Neue Sicht auf Behinderung
Worauf sollten Kommunikator*innen achten, wenn sie über Menschen mit Behinderungen kommunizieren? Wo liegen Barrieren und Tücken in der Medienarbeit?
Diesen und weiteren Fragen widmete sich der Arbeitskreis Gesundheitskommunikation am 9. Juni zusammen mit Judyta Smykowski von den Sozialheld*innen beim Workshop „Medienarbeit inklusiv und barrierefrei gestalten“.
 
Disability Mainstreaming bezeichnet die Absicht, die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Diesem Ziel hat sich auch der Verein Sozialhelden verschrieben. Ihren Auftrag beschreiben sie wie folgt: „Wir sensibilisieren Menschen, Institutionen und Unternehmen dafür, Menschen mit Behinderungen als Zielgruppe bei den verschiedensten Produkten und Dienstleistungen mitzudenken. Denn in den meisten Fällen werden Menschen durch Barrieren behindert und nicht durch ihren Rollstuhl oder die fehlende Sehkraft.“ Deshalb sei es höchstes Gebot Barrieren abzubauen – schlussendlich profitieren auch Menschen ohne Einschränkungen davon.
 
Sprache und Bilder: Barrieren in der Kommunikation
 
Insbesondere in Medien und Kommunikation gäbe es dringenden Handlungsbedarf, sagte Judyta Smykowski. Belegen konnte sie es mit einer Menge anschaulicher Beispiele aus der Tagesspresse. Ein großes Problem sei vor allem, dass Menschen mit Behinderungen vor allem auf ihre Einschränkungen reduziert würden. Kurz gesagt: Der Mensch selbst verschwindet hinter seinem vermeintlichen Leiden. Doch leiden wirklich alle Betroffenen an ihren Einschränkungen? Oder sind es in einigen Fällen nicht eher die gesellschaftlichen Barrieren, die das Leben erschweren?
 
Vielmehr sollten Menschen mit Behinderung selbstverständlicher Teil des Alltags sein, so Smykowski. Warum also nicht Menschen mit Rollstuhl abbilden, obwohl der Text nicht das Thema Behinderung behandelt? Nur so lässt sich Normalität verwirklichen. Aber aufgepasst! Hier lauern kommunikative Tücken. Vor allem dann, wenn für ein Pressefoto eine Rollstuhl-Situation nachgebildet wird, indem man zum Beispiel eine Person „mal eben“ in einen Krankenhaus-Rollstuhl setzt und als „behindert“ abbildet.
 
Judyta Smykowski konnte an gut gemeinten aber schlecht gemachten Beispielen solcher „Fakes“ zeigen, wie sich diese entlarven lassen: Eine falsche Sitzhaltung oder zu hoch eingestellte Armlehnen – Betroffene erkennen schnell, ob es sich um eine authentische Bildwelt handelt. Auch deswegen empfiehlt Judyta Smykowski bereits in der Konzeptphase von Kommunikationsprojekten und Kampagnen Menschen mit Behinderungen einzubinden, damit eine glaubwürdige (Bild-)Sprache gelingen kann.
 
Diese Projekte helfen beim Perspektivwechsel
 
Zu diesem Zweck existieren bereits mehrere Projekte, um die alltägliche Kommunikationsarbeit vielfältiger gestalten zu können. Mit dem Projekt Leidmedien.de beraten beispielsweise Expert*innen Redaktionen, um Formulierungsalternativen aufzuzeigen und einen Perspektivwechsel in der Berichterstattung zu ermöglichen.
 
Die Fotodatenbank Gesellschaftsbilder.de ist ein Angebot für Redaktionen und Medienmacher*innen, um authentisch die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden. Hier können Bilder für die redaktionelle Arbeit kostenfrei verwendet werden. Für weitere Verwendungszwecke können die Bilder auf Anfrage lizensiert werden.
 
Wer wissen will, mit welchen Hürden einige Menschen mit Einschränkungen zu kämpfen haben, dem sei Twitter empfohlen. Unter dem Hashtag #AbleismTellsMe teilen Menschen mit Behinderung auf Twitter ihre Diskriminierungserfahrungen, um auf Benachteiligungen aufmerksam zu machen und somit in einen gemeinsamen Austausch zu kommen.
 
DPRG mobil bietet Checkliste zur barrierefreien Kommunikation
 
Weitere Tipps und Tools finden sich in der Checkliste „Barrierefrei kommunizieren“ exklusiv für DPRG-Mitglieder in der DPRG-App (app.dprg.de) auf dem Arbeitskreis Gesundheitskommunikation.
 
Gründung der Arbeitsgruppe Barrierefreie Kommunikation
 
Kommunikation für alle Zielgruppen erreichbar machen, ob mit oder ohne Behinderung – das ist das Ziel der neu gegründeten Arbeitsgruppe „Barrierefreie Kommunikation“ im DPRG Arbeitskreis Gesundheitskommunikation. Die Arbeitsgruppe möchte im engen Dialog mit Betroffenengruppen professionelle Kommunikator*innen sensibilisieren, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation sowie das Marketing inklusiv und barrierefrei zu gestalten. Dafür soll der Austausch des Arbeitsgruppen-Netzwerkes gestärkt und Informationen gebündelt werden.
 
Interessierte können sich hier gemeinsam austauschen und beraten, zum Beispiel um DPRG-Veranstaltungen barrierefreier auszurichten oder um mehr Erfolg bei öffentlichen Ausschreibungen zu haben.
 
Kontakt:
 
Zora Hocke-Bolte (Leiterin AK Gesundheitskommunikation)
gesundheitskommunikation@dprg.de
 
René Neumann
rene.neumann@dprg.de
Branchenpartner
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Arbeitskreis

Gesundheitskommunikation

Der Arbeitskreis Gesundheitskommunikation untersucht die Besonderheiten der Public Relations im Rahmen der professionellen Kommunikation im Gesundheitswesen. Unser Ziel ist es, daraus Fachwissen für den Verband zu generieren. Nicht zuletzt geht es darum, die sich schnell wandelnden Anforderungen an die Gesundheitskommunikation zu antizipieren und die auf diesem Gebiet tätigen Mitglieder bei ihrem beruflichen Erfolg zu unterstützen.
 
Der Arbeitskreis trifft sich mindestens zweimal im Jahr an zentralen Orten. Im Mittelpunkt der Treffen stehen Kurzvorträge externer Referenten zur Gesundheitskommunikation, die Diskussion von Best Practices sowie das Netzwerken. Diese Treffen werden ergänzt durch quartalsweise Telefonkonferenzen und durch Zusammenarbeit einzelner Mitglieder an Projekten.
 
Kontakt: gesundheitskommunikation@dprg.de

Ansprechpartner

Zora Hocke-Bolte

Researcher

Tel.: