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26.05.2021   Niedersachsen/Bremen
Workshop „Video Do-it-yourself“
Beleuchtung, Farb- und Hintergrundwahl, das richtige Format und nicht zuletzt die „Drei-Sekunden-Regel“: Hintergrundwissen und viele Tipps für Videobotschaften gab es auf einer Veranstaltung der DPRG Niedersachsen/Bremen. Erfahren Sie hier mehr.
Im Mai hatte sich die DPRG-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen ein besonderes, da interaktives Veranstaltungsformat vorgenommen: Einen Workshop zum Thema „Video Do-it-yourself“. Das Interesse war groß und die Teilnahme auf 100 Plätze begrenzt, die zum Bedauern einiger „Nachzügler*innen“ voll besetzt waren. Die beiden Gastreferenten Timm Rotter und Georg Kiraly von der Agentur In A Nutshell schlugen den inhaltlichen Bogen rund um das Thema Videodreh, sei es für Unternehmenszwecke oder den Eigenbedarf. Neben vielfältigen Tipps und Tricks für die Praxis gab es Einblicke in Beleuchtungs- und Bildkompositions-Know-how der Profis, so dass die teilnehmenden Gäste und Mitglieder am Ende leicht ihr eigenes Videomaterial fachlich analysieren und einschätzen lernten.
 
Die Kommunikationsagentur In A Nutshell mit Sitz in München und Berlin erklärt ihren Namen zum Anspruch und Programm ihrer Arbeit: Komplexe Inhalte auf den Punkt zu bringen. Timm Rotter, Journalist und Agenturgründer, und Georg Kiraly, Grafikdesigner, füllten den rund zweistündigen DPRG-Workshop mit viel Inhalt, kurzweilig und ansprechend verpackt in theoretischen Parts, Praxiseinheiten und Videobeispielen. Ein Bingo-Gewinnspiel leistete nebenbei auch seinen kleinen Beitrag dazu, die Teilnehmenden in den frühen Abendstunden an ihre Bildschirme zu fesseln. Drei Gewinner*innen können sich in Kürze über ein In-A-Nutshell-Päckchen freuen. Zu der Veranstaltung am 17. Mai eingeladen hatte die DPRG-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen unter der Leitung ihrer Vorstandsvorsitzenden Tatja Stülten.
 
Gleich zu Beginn erfolgte ein Kaltstart: Alle Gäste und Mitglieder wurden gebeten, in Eigenregie ein 20-sekündiges Selfie-Video mit ihren Smartphones zu drehen und sich dabei aufzuzeichnen, wie sie über ein kurzes Thema referieren. Die anschließenden Learnings waren bereits Teil des Workshops, denn schnell wurden wichtige Faktoren deutlich. Zum Beispiel, dass die Dauer von 20 Sekunden nur allzu kurz ist und es nicht leichtfällt, in dieser knappen Zeit auf den Punkt zu formulieren. Oder, dass Hintergrund und Beleuchtungsquellen nicht optimal gewählt waren. Dazu erläutert Timm Rotter die Drei-Sekunden-Regel: „In den ersten drei Sekunden entscheidet sich, ob ein Video die Aufmerksamkeit der Zuschauer erhält und sie dranbleiben – oder eben wegklicken.“ Eine Aufgabe, die verschiedene Anforderungen an die Videoproduzent*innen stellt.
 
Ein Video spricht Bände – drei Videobotschaften im Vergleich
 
Der Mensch ist bekanntermaßen ein „Augentier“. Als solches erkennen wir binnen Sekunden, welche Ausstrahlung ein Gegenüber auf uns hat, wie glaubwürdig er oder sie dabei wirkt und ob wir diesem Menschen Sympathie entgegenbringen. Im Video funktionieren diese Regeln nicht nur genauso, sondern können bewusst eingesetzt werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Drei Videobotschaften prominenter Regierungsführer*innen zeigten diese Muster deutlich. Angela Merkel beispielsweise wirkt in ihrem Beispielvideo ruhig, konzentriert und besonnen. Der Eindruck entsteht nicht allein durch sie als Person, sondern wird bildlich durch bestimmte Faktoren gezielt unterstützt. Der blaue Farbton ihres Blazers wirkt beruhigend fürs Auge, die leichte Untersicht der Kameraeinstellung erhöht Merkel optisch ein wenig und unterstreicht damit eine kompetente und souveräne Ausstrahlung.
 
Barack Obama dagegen wird im Rahmen einer Interviewsituation sympathisch, gelassen und gleichzeitig fachkompetent und kultiviert in Szene gesetzt. Auch für diese Wirkung bedienen sich die Macher des Videos bestimmter Stilmittel; die Kamera ist grundsätzlich auf Augenhöhe eingestellt, das Gespräch wird im Sitzen geführt, im Hintergrund sind Bücherregal und amerikanische Flagge erkennbar. Nur wenn die Kamera aus der Perspektive des Interviewpartners auf Obama gerichtet ist, nimmt der Betrachter eine leichte Untersicht ein. Das Licht kommt aus drei verschiedenen Lichtquellen und sorgt damit für eine gleichmäßig harmonische Ausleuchtung.
 
Das dritte Beispielvideo dagegen, eine Kurzansprache von Donald Trump, wirkt unter Beachtung der angewandten Hilfsmittel ganz anders. Die Kameraeinstellung ist aus der Froschperspektive auf das in Großaufnahme gefilmte Gesicht von Trump gerichtet, das aus einer einzigen, ebenfalls unterhalb angebrachten Lichtquelle scheinwerferhaft beleuchtet wird. Die Untertitel, die seine knappe Ansprache begleiten, sind in Kinnhöhe eingeblendet, was den Blick automatisch auf diese Gesichtsregion lenkt und damit Stärke suggeriert.
 
Verschiedene Kommunikationskanäle mit den passenden Bildformaten nutzen
 
Neben den Themen rund um Beleuchtung, Farbwahl, Hintergrund- und Kameraeinstellungen sprachen die Referenten auch die Eignung verschiedener Videoformate für die unterschiedlichen Kommunikationskanäle an. Während sich das Querformat demnach besonders gut für Youtube, Vimeo und Twitter eignet, ist das Hochformat passend für Instagram- und Facebook-Stories. Das quadratische Format dagegen, auch dies ein Profitipp, kann sehr gut für reguläre Instagram- und Facebook-Posts sowie für LinkedIn verwendet werden. Ein wichtiger Hinweis zu Drehort und eventuell eingesetzter Musik: Hier sollte man stets darauf achten, alle notwendigen Genehmigungen und Lizenzen einzuholen – andernfalls kann es schnell sehr teuer werden.
 
Unternehmensthemen als Videobotschaft: To Do’s und Tipps für Kommunikatoren
 
Als Kommunikationsschaffende im oder für Unternehmen haben wir die Aufgabe, die Corporate Themen gezielt zu platzieren, auch im Rahmen von Videobotschaften, beispielsweise durch CEO oder Vorstandsmitglieder. Hier machten die Spezialisten von In A Nutshell klar, welche To Do’s konkret dazu gehören – und welche den Kameraleuten beziehungsweise Techniker*innen hinter der Kamera zukommen. Kommunikator*innen sind demnach vor allem zuständig für die Entwicklung des inhaltlichen Konzepts. Dabei kommt es darauf an, die Inhalte in Form eines Exposés in thematischen Stichpunkten zusammenzufassen, ohne konkrete Fragen und Antworten auszuformulieren.
 
„Je mehr Mut jemand hat, frei zu sprechen, desto glaubwürdiger und echter werden seine Botschaften,“ konstatiert Timm Rotter und ergänzt: „Deshalb ist die Festlegung von Kernbotschaften und übergreifenden Themen vorab essenziell. Diese sollten aber auf keinen Fall ausformuliert sein, sonst besteht das Risiko, dass jemand sie auswendig lernt oder vom Blatt abliest. Und das wirkt dann sofort gestellt.“ Was hier Abhilfe schafft, ist ein einfacher Tipp aus Schulzeiten: „Demjenigen, der sich ausreichend Zeit zur Vorbereitung nimmt, wird ein authentischer Auftritt vor der Kamera gelingen,“ so Rott. „Ich empfehle durchaus auch Vorständ*innen, vor dem Spiegel zu üben, wie sie beim Sprechen und Ausformulieren der wichtigen Themen wirken.“
 
Ein weiterer Tipp für die Aufnahme des Videos: „Wenn sich ein Vorstand mitten im Satz verspricht, lassen Sie ihn oder sie ruhig den ganzen Satz oder besser noch den ganzen Gedanken erneut sprechen. Das ist wichtig, weil die Tonmelodie innerhalb eines gesprochenen Satzes harmonisch ist. Sobald man einzelne Passagen rausschneidet, beeinflusst das die Wirkung des gesprochenen Statements enorm. Uns ist das häufig nicht bewusst, aber das Ohr hört es genau.“
 
Am Ende erfolgte der Bogenschluss zur Drei-Sekunden-Regel. Um die Aufmerksamkeit der Zuschauer in den ersten drei Sekunden zu gewinnen, so Timm Rotter, seien ein paar Faktoren besonders wichtig. Dazu erläutert er: „Erstens: Kein Corporate Intro! Zweitens: Auf keinen Fall zu werblich kommunizieren.“ Sprich: Marktschreierische Mottos oder Claims hätten hier keinen Platz. Stattdessen: Das erste Bild und der erste gesprochene Satz müssen die Zuschauer fesseln, gerade in digitalen Kanälen, wo man oft mit geringer Aufmerksamkeit durch den Newsfeed wische. „Die Frage ist immer“, so Rotter: „Was ist der ,Thumbstopper’ – was sorgt also dafür, dass ich mit dem Daumen beim Wischen innehalte?“
 
Internet- und Social-Media-Nutzer seien heute – gerade nach einem Jahr im Lockdown – sensibel und aufgeklärt und wollten nicht mit werblichen Inhalten abgespeist werden. Dagegen erwarteten sie zu Recht, von einer Videobotschaft unterhalten zu werden und auch den Menschen hinter der Figur des CEO oder den Vorstandsmitgliedern zu erkennen. Rotter: „Menschlichkeit und Nahbarkeit schaffen Bindung und Identifikation – gerade das lebendige Videoformat bietet sich dazu sehr gut an.“
 
Der aufmerksame Lesende hat es bemerkt: Dank der engagierten Unterstützung durch Timm Rotter und Georg Kiraly war der Workshop prall gefüllt mit Inhalten und die zweistündige Veranstaltung verging wie im Fluge. Dabei gab es viel Abwechslung und noch mehr Profitipps, so dass die teilnehmenden Gäste und Mitglieder sicher eine Menge Input sowie einige tiefere Einblicke ins Thema Videocontent erhalten haben. Wir danken für die rege Teilnahme und freuen uns auf unsere nächste Veranstaltung!
 
Weitere Informationen erhalten Sie hier: https://www.nutshell.de/
 
Autorin: Shiloo Katja Köhnke

Landesgruppe

Niedersachsen/Bremen

Wie in den meisten Flächenländern hat die Kommunikationsbranche auch in Niedersachsen/Bremen ihren Schwerpunkt in der Landeshauptstadt Hannover. Dementsprechend setzen wir mit unseren rund 100 Mitgliedern hier einen Schwerpunkt unseres aktiven Networkings. Aber auch im kleineren Bundesland Bremen sind in den letzten Jahren neue Aktivitäten entstanden. Ein wichtiges Ziel der Landesgruppe ist es, die Mitglieder-Basis durch attraktive Themen und Angebote zu verbreitern. Neben bewährten Formaten, wie Abendveranstaltungen zu aktuellen Schwerpunktthemen, Unternehmensbesuchen und Podiumsdiskussionen sind wir immer offen für neue Ideen.

Kontakt: niedersachsen-bremen@dprg.de

Ansprechpartner

Vorsitzende
Tatja Stülten
Stv. Vorsitzende
Shiloo Katja Köhnke
Stv. Vorsitzender
Maurice Müller
Beisitzer: Stefan Becker, Jens Voshage