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News / Klimaschutz kommunizieren mit Design Thinking
18.02.2021   Niedersachsen/Bremen
Klimaschutz kommunizieren mit Design Thinking
Was haben Klima(schutz)-Kommunikation und Design-Thinking miteinander zu tun? Wie können sich beide gegenseitig befruchten? Antworten darauf gab der Kommunikations-Experte und Coach Timo Fuchs.
Rund 60 Teilnehmende hatten sich am 15. Februar in den DPRG-Workshop der Landesgruppen Niedersachsen/Bremen und Sachsen online zugeschaltet. Bei der Kommunikation zum Klimaschutz gehe es laut Timo Fuchs im Kern nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern auch Leute zum Mitmachen zu motivieren. Design Thinking ist eine Sammlung von kreativen Problemlösungsstrategien, die anders auf Probleme schauen – konsequent immer aus Anwendersicht und ergebnisoffen. Die Methode „Design Sprint“ ist seiner Meinung nach besonders geeignet, auf lokaler Ebene für komplexe Probleme schnell Lösungen zu finden, die anders sind als sonst und auch gleich ausprobiert werden können.
 
Design Thinking und Design Sprints – was ist das überhaupt?
 
Zunächst stellte Timo Fuchs Design Thinking vor. Das Besondere steckt schon im Namen. Man denkt wie ein Designer und überlegt: Was ist der beste Weg, ein Produkt genau für die Bedürfnisse meiner Kunden zu entwickeln. Im ersten Schritt geht es darum, das Problem beziehungsweise das Bedürfnis neu zu verstehen. Es soll losgelöst von existierenden Produkten/Lösungen betrachtet und analysiert werden. Denn, so Timo Fuchs: „Wir stehen uns oft selbst im Weg – unsere Erfahrungen und unsere Fachkompetenz schränken ein, welche Fragen wir stellen und welche Lösungen wir uns vorstellen können.“
 
Im Design Thinking helfen besondere Fragetechniken, aus diesen mentalen Sackgassen herauszukommen und neue Perspektiven und Lösungen zu (er)finden. Unter anderem die WKW-Fragen: „Wie können wir ...“ oder auch „Wie können wir es schaffen, dass ...“, um potentielle Hindernisse zu entdecken und diesen positiv zu begegnen. Design Sprint ist eine Form des Design Thinking, die besonders schnell sowie anwenderorientiert und praxisnah eine Lösung entwickelt. In der Regel innerhalb von nur 3 bis 4 Tagen.
 
Ein Beispiel für erfolgreiches Design Thinking ist die Computermaus – eine völlig neuartige, ja revolutionäre Methode, einen Computer zu bedienen. Vorher gab‘s nur die Tastatur. Die Designer haben sich aber eben nicht gefragt: Wie kriegen wir eine bessere Tastatur hin? Sondern: Wie können Anwenderinnen und Anwender Computer intuitiver bedienen? Design Thinking erkennt die Kern-Probleme – und findet oft fachfremde Bereiche, in denen diese schon gelöst wurden.
 
Bei einem anderen Projekt wurde zum Beispiel ein Operationssaal völlig neu gestaltet – und zwar nicht von Medizintechnik-Experten, sondern nach den Prinzipien der Boxengasse in der Formel 1. Denn dort fanden sich überraschend vergleichbare Anforderungen an Präzision, Geschwindigkeit und Teamwork.

Darum ging‘s konkret: Website-Projekt von Fridays for Future in Oldenburg
 
Anschließend berichtete Timo Fuchs von seinem Projekt mit der Fridays for Future-Gruppe in Oldenburg. 10 Ehrenamtliche, Schülerinnen/Schüler und Studierende, engagieren sich hier für mehr Klimaschutz. In mehreren kurzen Online-Workshops wurde die Lösung gemeinsam entwickelt. Das Problem: CO2 in Oldenburg einsparen. Schnell stellte sich heraus, dass nicht die CO2-Einsparung das Ziel sein musste, sondern das Denken der Menschen zu verändern. Auch die ursprüngliche Idee einer virtuellen Messe verwandelte sich in eine „machbare“: eine Website.
 
In den weiteren Sitzungen wechselten sich Team- und Einzelarbeit ab. So profitierte die Gruppe von vielen Ideen, die losgelöst voneinander entstanden, nach dem Prinzip: „Working together alone“. Mit der Methode „Vorbilder suchen“ fanden sich auch auf „abwegigen“ Pfaden gute Beispiele von Websites, die gekonnt Leute motivieren. Abstrahiert und mit Fokus nur auf die Prinzipien kann man hier sogar von Trump lernen: Indem man die Macht der Bilder nutzt. Auch weitere Hindernisse wie zu wenig Mitwirkende oder zu wenig Geld konnten so kreativ gelöst werden. Nach nur einem Jahr mit reell rund 20 Stunden Konzeptionsarbeit gibt es nun einen Prototyp, den zurzeit Anwenderinnen und Anwender aktiv testen.
 
Kommunikation und Design Thinking können sich gegenseitig befruchten
 
Wie und warum Design Thinking und Klima-Kommunikation gut zusammenpassen, fasste Timo Fuchs zum Schluss in vier Punkten zusammen:
 
1. Bei der Klima-Kommunikation geht es darum, in Menschen Verständnis und Motivation zur Veränderung zu wecken.
2. Erfahrung und Gelerntes behindern aber oft neue Entwicklungen und somit Veränderungen.
3. Das Mindset des Design Thinking hilft in Diskussionen weiterzukommen, mit Fragen wie „Kennen wir schon das Kern-Problem?“ oder „Wie können wir …?“
4. Design Thinking Prozesse können gerade auch auf lokaler Ebene Veränderungen starten.
 
Viele Fragen und Kommentare folgten im Anschluss an den Online-Vortrag. Es gab Fragen zu Details von Design Thinking und Design Sprint und wie sich diese zu Scrum-Methoden abgrenzen. Aber auch zum Projekt bei Fridays for Future Oldenburg. Dann ging es auch darum, bei welchen kommunikativen Herausforderungen Design Thinking besonders geeignet ist. Antwort Timo Fuchs: Vor allem ließe sich durch Design Sprints schnell herausfinden, welche tatsächlichen Probleme in der Aufgabenstellung eines Auftraggebers stecken. Der gezielte Fokus auf die Anwenderinnen und Anwender macht es möglich, mit Design Thinking Konzepte zu entwickeln, die besonders gut auf die Zielgruppen eingehen – gerade auch bei komplexeren Aufgabenstellungen.
 
Ein Teilnehmer thematisierte, dass viele die Klima-Kommunikation so erleben, dass sie „auf manches verzichten und ihren Lebensstil verändern [sollen]. Wie kommuniziert man auf politischer Ebene Einschränkung und Verzicht, ohne bei nächster Gelegenheit abgewählt zu werden?“ Ein aktuelles Beispiel, so andere, sei die Forderung, auf das geliebte Eigenheim zu verzichten. Maurice Müller, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, warf dazu ein: „Abgesehen davon, dass es falsche Zeitpunkte gibt, um Themen anzusprechen. Die Politik tendiert dazu, die Grenzen des Machbaren zu betonen: Wie viel Geld da ist und was warum nicht geht.“ Dazu Timo Fuchs: „Wenn ich Klimaschutz und Nachhaltigkeit anstrebe, dann müssen die Lösungen so gut sein, dass der Verzicht nicht als solcher wahrgenommen wird.“ Design Thinking könne genau dazu beitragen, indem die tiefer liegenden Bedürfnisse statt der oberflächlichen berücksichtigt werden. Statt Verzicht könne so durch lösungsorientierte Entwicklung am Ende ein echter Mehrwert geschaffen werden.
 
Viele Dankeschöns der Teilnehmenden sowie der beiden Landesgruppen-Vorsitzenden Sybille Höhne und Tatja Stülten beendeten den Abend.
 
Referent: Timo Fuchs
 
Timo Fuchs aus Bremen ist ausgebildeter Journalist und seit Dezember 2020 Spezialist für Wissenschafts-Kommunikation an der Universität Vechta. Außerdem ist er seit 2017 selbstständig als Innovations-Facilitator sowie Moderator von Konferenzen oder Podcasts. Zuvor hat er mehrere Jahre als Hörfunk-Journalist in der ARD gearbeitet.
 
Kontakt: https://www.linkedin.com/in/timo-fuchs
 
Bericht: Tatja Stülten
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Landesgruppe

Niedersachsen/Bremen

Wie in den meisten Flächenländern hat die Kommunikationsbranche auch in Niedersachsen/Bremen ihren Schwerpunkt in der Landeshauptstadt Hannover. Dementsprechend setzen wir mit unseren rund 100 Mitgliedern hier einen Schwerpunkt unseres aktiven Networkings. Aber auch im kleineren Bundesland Bremen sind in den letzten Jahren neue Aktivitäten entstanden. Ein wichtiges Ziel der Landesgruppe ist es, die Mitglieder-Basis durch attraktive Themen und Angebote zu verbreitern. Neben bewährten Formaten, wie Abendveranstaltungen zu aktuellen Schwerpunktthemen, Unternehmensbesuchen und Podiumsdiskussionen sind wir immer offen für neue Ideen.

Kontakt: niedersachsen-bremen@dprg.de

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