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10.12.2020   Norddeutschland
PR in und nach der Krise – was ist, was bleibt?
Am 2. Dezember lud die DPRG Landesgruppe Nord zu einem Roundtable mit den Geschäftsführungen der vier größten Kommunikationsagenturen in Hamburg ein. Wohin gehen die Trends und was erwartet uns in den nächsten Jahren? Auf welche Qualifikationen kommt es zukünftig in der PR an?
Zu Gast waren Roland Heintze (Faktenkontor), Volker Martens (Faktor 3), Sabine Richter (Faktor 3), Mirko Kaminski (achtung!), Eugenia Lagemann (fischerAppelt relations) und Andreas Fischer-Appelt (fischerAppelt). Gemeinsam mit mehr als 80 teilnehmenden DPRG Kolleginnen und Kollegen wurde offen zu den vielseitigen Themen rund um die Kommunikationsarbeit in und nach der Covid19-Krise diskutiert.
 
Zunächst ging der Blick zurück an den Anfang dieses denkwürdigen Jahres: Was geschah, als plötzlich die Corona-Krise Einzug in den Arbeitsalltag fand? Bei diesem Punkt sind sich alle Agenturchefinnen und -Chefs einig: nichts konnte so umgesetzt werden, wie geplant. Events wurden ad acta gelegt, Konzepte über den Haufen geworfen, Kunden gerieten in Schockstarre. Es dauerte geraume Zeit, bis es vor allem bei den Krisengewinnern wieder losging. Das waren meist Unternehmen aus den Branchen rund um DIY (Do it yourself), Food, und im Kontext von e-commerce und Telefonie. Die Bereiche Tourismus und Entertainment sowie den gesamten Sektor der Live-Kommunikation traf die Krise dagegen hart.
 
Für Agenturen zahlte es sich aus, möglichst breit und in vielen Branchen vertreten zu sein. Aber auch das Agenturleben selbst veränderte sich deutlich. In erster Linie galt es, sich immer wieder neu zu sortieren und mit den veränderten Rahmenbedingungen strategisch und operativ gut umzugehen. Im Lockdown rücken ganz andere Themen in den Vordergrund, so die einhellige Meinung. Und die gute Nachricht für uns alle: wir als Kommunikatoren werden gebraucht. In Zeiten wie der Corona-Krise mehr denn je.
 
Wohin gehen die Trends und was erwartet uns in den nächsten Jahren?
 
Die Covid19-Krise zeigt laut Eugenia Lagema, dass es künftig viel stärker als bisher um strategische Fragen gehen werde. Kanalunabhängiges, agiles Planen beispielsweise gewinne an Bedeutung. Das bestätigt auch Volker Martens: strategische Antworten auf die Frage, mit welchen Inhalten wir auf welchen Kanälen unsere (Sub-)Zielgruppen optimal erreichen können, würden unabdingbar. Themen wie Diversity und Nachhaltigkeit sind nicht nur gefragt, sondern vor allem ernst zu nehmen. Die Pandemie zeige zudem eine starke katalytische Wirkung bei der Digitalisierung – das sei für viele Branchen und Unternehmen Herausforderung und Chance zugleich.
 
Wichtig dabei sei zu beachten, dass Digitalisierung nicht einfach nur den physischen Wechsel ins Homeoffice bedeute – auch das Verhalten auf der Kundenseite habe sich verändert. Darauf müssten Agenturen partnerschaftlich und beratend reagieren. Bei aller Digitalisierung, die unseren (Arbeits-)Alltag bestimme und ein fortlaufender Trend bleibe, habe die Corona Krise gezeigt, dass das Persönliche enorm an Wert gewinne, darin sind sich die Agenturchefinnen und -Chefs einig. Was die Covid19-Krise weiterhin zeige: Unternehmen würden alles, was keinen Mehrwert generiert, überdenken und im Zweifel abschaffen – dies zwinge die Kommunikation mehr denn je, echten Zusatznutzen zu bieten und diesen auch messbar zu machen.
 
Höchste Zeit für den Blick nach innen: Interne und Change Kommunikation gewinnen an Relevanz – beim Kunden, aber auch in den Agenturen selbst.
 
Nach wie vor sitzen die meisten von uns im Homeoffice. Durch die veränderte dezentrale und stark digitalisierte Arbeitsweise entstehen zwangsläufig neue Anforderungen und Bedürfnisse bei Agenturen und Unternehmen. Worauf es jetzt ankomme sei vor allem: starke Mitarbeiterbindung, gute Veränderungskommunikation und maximale Flexibilität im eigenen Mindset, wie mit der Krise umzugehen sei. Mirko Kaminski: „Räume sind sehr wichtig, werden aber in Zukunft eine andere Rolle spielen. Es geht eher darum, Räume zu schaffen, die einen Anreiz bieten, gerne in die Agentur zu gehen – benötigt werden mehr Kollaborationsflächen und weniger Plätze für Einzelarbeit“.
 
Für alle Agenturchefinnen und -Chefs nehmen Führungskräfte gerade jetzt eine besondere und anspruchsvolle Rolle ein: Es liege an ihnen, das Team im virtuellen Beisammensein auch tatsächlich beieinander zu halten und durch den persönlichen Austausch nicht den Draht zu ihnen und damit das Vertrauen zu verlieren.
 
Auf welche Qualifikationen kommt es zukünftig beim Team, Bewerberinnen und Bewerbern und beim Nachwuchs an?
 
Mit der steigenden Relevanz von Strategien, steigt auch der Bedarf an Strategiekompetenz. Gleichzeitig liegt der Fokus auf Strukturen, schließlich wird von Agenturen ein hoher Qualitätsstandard gefordert. Dabei geht es nicht nur um Expertenwissen: viel wichtiger, so Mirko Kaminski, sei Empathie und ein proaktives Zugehen auf Kunden. Eine personelle Verstärkung solle in erster Linie zur Kultur der Agentur passen. Und was braucht es noch? „Unternehmerisch denkende, mutige, risikofreudige und nach vorne schauende Menschen“, so Eugenia Lagemann. „Besondere Lebensläufe, die zeigen, dass man auch mal was Komisches gemacht hat“, sagt Roland Heintze. „Quirlige, energiegeladene und eigenwirksame Leute“, meint Mirko Kaminski.
 
Kurz gesagt: Die Top Themen für das nächste Jahr sind der Blick nach innen, Digitalthemen und Kundenbindung
 
Ganz klar: der Fokus geht nach innen, in die eigenen Teams und deren Stärkung, und das in vielerlei Hinsicht: seien es Qualifikation, Resilienz, Mindset, Recruiting, Diversität oder das Überdenken der Agenturräume. Außerdem richtet sich der Blick auf digitale Themen und Data Driven Communications sowie eine Verzahnung sämtlicher Kommunikationsaktivitäten. Und zuletzt: Noch näher Heranrücken an den Kunden, ihm aktiv zuhören und die Kundenbeziehung stärken – virtuell, möglichst eng und dennoch mit Abstand, versteht sich.
 
Wir bedanken uns für den spannenden Abend, den inspirierenden Input und vor allem für die große Offenheit aller Gäste und Teilnehmerinnen und Teilnehmer!
 
Foto: Andreas Fischer-Appelt, Eugenia Lagemann, Roland Heintze, Sabine Richter, Mirko Kaminski, Volker Martens (v.li.n.re.)
 
Autorin: Judith Götter, DPRG Landesgruppe Nord, Mitglied des Vorstandes

Landesgruppe

Norddeutschland

Im Norden schreiben wir vier Dinge groß: Austausch, Partizipation, Kollaboration und Vernetzung. Als Plattform hierzu dienen regelmäßige Veranstaltungen – aktuell vor allem in Hamburg und Kiel – mit einem thematischen, fachlichen Bezug. Mal zu kommunikativen Grundlagen, mal zu aktuellen Trends und Fragestellungen unserer PR-Branche. Immer aber mit Raum und Zeit für Austausch und Kontakte. Die Mitglieder im Vorstand der Landesgruppe Nord sind von Hamburg bis zur Ostseeküste in Kiel zu finden. Die vielfältige, bunte und lebhafte Kommunikationsbranche in der Metropolregion Hamburg ist das Zentrum. Die Vernetzung umfasst aber auch Schleswig-Holstein und Brandenburg – also das gesamte DPRG Norddeutschland-Gebiet.

Kontakt: norddeutschland@dprg.de

Ansprechpartner

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