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18.11.2020   Sachsen
Was zum Teufel ist ein Küchenzuruf? Praktische Regeln für verständliches Schreiben
Wissen Sie, was ein Küchenzuruf ist? Nein? Die meisten der hundert teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen der Web-Session der Landesgruppe Sachsen zum Thema „Gute Sprache“ am 10. November auch nicht.
In die Debatte geworfen und aufgeklärt haben das die beiden Referenten des Abends, Jonathan Fasel, Journalist und Spezialist für komplexe Kommunikation, und Stefan Rippler, ebenfalls Journalist, dazu Berater und Bestsellerautor. Sie zeigten kurzweilig, knackig und spannend auf, was gute Sprache, egal ob in Texten für die Kundenzeitschrift, Reden, Pressemitteilungen, in Social Media… ausmacht, nämlich:
 
„treffende Worte, nicht schwafeln, klare Sprache, keine Fachtermini, konkret beschreiben, was ist und eine Geschichte erzählen.“
 
„Menschen lieben Geschichten. Erzählen Sie Geschichten!“, appellierte Jonathan Fasel an die Teilnehmer.
 
Er gab uns fünf Grundregeln für gute Sprache mit auf den Weg:
 
1. Starke Verben nutzen – damit wird das „Kopfkino“ in Gang gesetzt
2. Adjektive sparsam einsetzen – Adjektive sind die „Huren“ der Substantive, sie blähen den Text auf, oft sind es Modeworte
3. Substantivierungen vermeiden – enden häufig auf „ung“, verunstalten Verben, verdecken die eigentlichen Infos
4. Satzlänge beachten – Ein Gedanke pro Satz!, klare Struktur und Ordnung, direkte Rede einbauen, lebensnahe Beispiele verwenden
5. So konkret wie möglich schreiben! – fördert die bessere Verständlichkeit, zum Beispiel nicht: eine ungeheure Menge, sondern besser: hunderte von Menschen
 
Und immer gilt, kurze Sätze sind besser zu verstehen als lange. Hm, muss ich mir auch immer wieder vor Augen führen.
 
Stefan Rippler gab dann noch zu bedenken, dass es für das Schreiben im Web dann doch auch noch mal ganz spezielle Regeln zu beachten gilt. Die Entwicklungen im Medienverhalten bei der steigenden mobilen Nutzung bedingen ein anderes Leseverhalten als im Printbereich.
 
Wir alle lesen inzwischen häufig mobil, auf kleinen Bildschirmen. Wir lesen zielgerichteter und „scannen“ eher die Texte, als dass wir sie tatsächlich lesen. Das Auge bleibt an Zwischenüberschriften, Bildern, Zitaten, Teasern hängen. Die Hälfte der Nutzer ist nach zirka 10 Sekunden weg. Nur zirka 20 Prozent lesen einen Beitrag von Anfang bis Ende. Das kann wohl jeder bei sich selber beobachten.
 
Also ist es online noch viel wichtiger, den Sätzen und Texten eine Struktur zu geben, auf den Punkt zu kommen, eine Geschichte zu erzählen. Achtung, Geschichte erzählen ja, aber keine Geschichte ausdenken! Authentisch bleiben.
 
Insgesamt ein spannender Abend, mit Anregungen für unsere nächsten Texte. Anregend auch, mal wieder seine „Schreibe“ selber zu hinterfragen und zu schärfen.
 
Am 8. Dezember 2020 wird Jonathan Fasel in einem weiteren Online-Meeting der LG Sachsen nochmal speziell auf das Schreiben für/in Social Media eingehen.
 
Ach, übrigens, ein Küchenzuruf ist: Die Kernaussage des Textes (zusammengefasst in maximal drei Sätzen). „Der Grund warum ich das jetzt lesen muss.“
 
Hier noch kurz die Geschichte des Küchenzurufs:
 
Henri Nannen (1913–1996), Gründer und Verleger des Stern, definierte den sogenannten „Küchenzuruf“ für den Print-Journalismus. Seine eigene Definition klingt so: Ein Mann sitzt im Wohnzimmer und liest Zeitung. Seine Frau kocht gerade in der Küche. Nach der Lektüre eines Artikels ruft er ihr zu:
 
„Mensch Grete, die in Bonn spinnen komplett! Die wollen schon wieder die Steuern erhöhen!“
 
Henri Nannen

Autorin: Sybille Höhne
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