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07.10.2020   News
Gendergerechte Sprache in der Unternehmenskommunikation: DPRG Veranstaltung mit Rekordbeteiligung
Das vermeintliche Nischenthema „Gendergerechte Sprache“ ist in der Kommunikationsbranche angekommen. Etwa 190 Teilnehmende verfolgten am 1. Oktober eine Online-Veranstaltung mit Expertinnen, die durch DPRG-Vorstandsmitglied Annika Schach organisiert wurde. Es ging um Grammatik, Diskriminierungsfreiheit, aber auch um ganz konkrete Fragen aus dem Kommunikationsalltag.
3 Expertinnen, 3 Perspektiven
 
Die Leiterin der Duden-Wortbuch-Redaktion Dr. Kathrin Kunkel-Razum berichtete vom Prozess der Neuaufnahme von drei Seiten zur gendergerechten Sprache in den Duden. „Der Beratungsbedarf zu dem Thema war so groß, dass wir uns neben unseren Ratgebern auch für eine Aufnahme ins Hauptwerk entschieden haben“, so die promovierte Lexikologin. Die Kommunikation dazu war gut vorbereitet, hat aber weniger Kontroversen ausgelöst als gedacht.
 
Auch Prof. Dr. Gabriele Diewald, Professorin für Germanistische Linguistik an der Leibniz Universität und Autorin des Handbuchs „Geschlechtergerechte Sprache“ stellte fest, dass die Debatte heute deutlich konstruktiver ist als noch vor drei Jahren. Das Thema sei da und man könne sich nicht der Realität verweigern. Viele kritische Kommentare ignorieren die Grundlagen der deutschen Grammatik, die teilweise nützliche Mechanismen bereithält. Die Nutzung von Partizipien sei beispielsweise eine reine Gewöhnungssache: An den Personenbezeichnungen „Alleinerziehende“ oder „Arbeitssuchende“ stört sich auch niemand.
 
Paula Auksutat von Microsoft konnte berichten, wie das Unternehmen mit dem Thema umgeht. Im Rahmen einer Projektgruppe wurde eine Haltung zum inklusiven Umgang mit Sprache entwickelt, der nicht nur Gendergerechtigkeit, sondern auch Diskriminierungs- und Barrierefreiheit umfasst. In ihrer Masterarbeit hatte sie zwanzig Kommunikationsfachleute aus Unternehmen und Agenturen befragt – unter anderem zu den Motiven. „Einige bekamen Anfragen von Stakeholdern, wollten ihre Werte auch sprachlich sichtbar machen, möchten sich in der Suche nach Mitarbeitenden und Fachkräften besser aufstellen oder sich als Innovationsvorreiter positionieren“, so 30u30-Mitglied Auksutat.
 
Thema wird DPRG weiter beschäftigen


Der Teufel liegt jedoch im Detail bzw. im Arbeitsalltag: Schwierigkeiten wie Barrierefreiheit in Sprachleseprogrammen und SEO-Kompatibilität sind noch nicht sinnvoll gelöst. In der 1,5-stündigen Diskussion konnten viele Fragen aus dem Berufsalltag besprochen werden. Fazit: Es gibt keinen goldenen Weg, denn Sprachwandel entsteht in der Aushandlung der Sprachteilnehmenden – und ist kontextabhängig. Eine angemessene Ansprache, die zu einer gelingenden Kommunikation führt, sollte jedoch Ziel einer jeden Kommunikationsabteilung sein. Welche Strategie dazu verwendet wird, hängt vom Einzelfall ab. Eins ist jedoch sicher: Das generische Maskulinum, das männliche als Norm, wird es immer weniger sein.
 
Das positive Feedback zu der Veranstaltung und der Wunsch nach weiteren Informationen, sowie einer Link- und Quellenliste lässt die DPRG an dem Thema dranbleiben. Den Mitschnitt der Veranstaltung kann man hier nachschauen.