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News / „Richten Sie öfter mal den Blick gen Osten“
Kathrin Mahler Walther sprach beim Neujahrsempfang Berlin Brandenburg. Foto: DPRG
06.02.2020   Berlin/Brandenburg
„Richten Sie öfter mal den Blick gen Osten“
Stereotype sind aus der Kommunikation nicht wegzudenken, sie können helfen, Komplexität zu verringern. Sehr oft sind sie aber hinderlich, wenn es um Veränderungsprozesse geht. Mit dieser Botschaft eröffnete die ehemalige Bürgerrechtlerin Kathrin Mahler Walther den Neujahrsempfang der DPRG Berlin Brandenburg mit einer nachdenklichen und kritischen Rede.
Von Stereotypen sind, auch 30 Jahre nach der Wiederherstellung der Deutschen Einheit, Menschen in Ostdeutschland betroffen – und nicht nur sie. Kathrin Mahler Walther, die heute Geschäftsführerin der Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V. ist, erhielt im vergangenen Herbst vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement in der ostdeutschen Bürgerbewegung. „Ganz schön spät, könnte man denken, schließlich ist das alles schon 30 Jahre her. Auf eine gewisse Weise aber war es für mich der richtige Zeitpunkt.“
Denn noch immer steckten hartnäckig bestimmte Bilder „vom Osten“ in den Köpfen vieler Menschen. So berichteten ihr Studenten, die aus westdeutschen Bundesländern kamen, dass sie zu Hause gelegentlich schräg angesehen und mit, natürlich „witzig“ gemeinten, Bemerkung voller Ost-Stereotypen bedacht würden. Auch Kommunikatorinnen und Kommunikatoren seien nicht vor Schubladendenken gefeit, so Mahler Walther. Medien und Kommunikatoren hielt sie vor, ostdeutschen Biografien und Realitäten in der Vergangenheit zu wenig Beachtung geschenkt, nicht hinterfragt und nicht gleichwertig berichtet zu haben: „Ostdeutsche Lebensgeschichten sind nicht selbstverständlicher Teil gesamtdeutscher Erzählungen geworden.“ So sei der 9. Oktober, an dem in Leipzig 100.000 Menschen auf die Straße gegangen und ihre Angst überwunden hätten, um das Regime in die Knie zu zwingen, kaum im Bewusstsein verankert. Dieser Tag stehe symbolisch für die Friedliche Revolution und damit für den Mut der Menschen.
Das Hinterfragen von Denkmustern sei auch eine Voraussetzung dafür, Diversity und Inklusion zu fördern und letztendlich Organisationen und Gesellschaften zu stärken. „Um neue Wege zu gehen, neue Lösungen zu finden, viele Menschen in Change-Prozessen mitzunehmen brauchen wir Perspektivenvielfalt. In Unternehmen sprechen wir heute viel von agilem Arbeiten, von lateraler Führung und Inclusive Leadership. Da geht es genau darum: Aus Auftragsempfängern Beteiligte werden zu lassen. Vielfältige Menschen mit ihren Perspektiven zu Wort kommen und selbständig handeln zu lassen, um die besten Lösungen zu finden.“ Unternehmen und Organisationen profitierten davon, wenn sie sich nicht nur auf die Mehrheitsmeinungen stützten, sondern auch kritische, weniger laute, Einzelstimmen beachteten. „Als Kommunikator*innen können Sie verbinden, Brücken bauen, Anschlussfähigkeit erzeugen. Komplexe Entscheidungen verständlich machen, Menschen mitnehmen im Prozess. Mit einer klaren Haltung, die Vielfalt wertschätzt und sich für diese stark macht!“

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