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News / Die „schöne neue Arbeitswelt“
Lisa Dühring. Foto: Scharfstädt/DPRG
Die „schöne neue Arbeitswelt“
Diskussion auf dem DPRG Takeoff in Berlin: Macht New Work Spaß und sorgt für Freiräume? Oder verstärkt die schöne neue Arbeitswelt Unsicherheit und Überforderung? Und: Welche Rolle haben Kommunikationsabteilungen beim Wandel in den Unternehmen?
Die Themen Kulturwandel und New Work begleiten den DPRG-Arbeitskreis „Interne Kommunikation und Change“ auch im neuen Jahrzehnt. Beim Treffen der Arbeitskreise am 24. Januar in Berlin stand einmal mehr die Frage zur Diskussion, wie die (interne) Kommunikation Veränderungsprozesse begleiten und unterstützen kann.
 
Die über 50 Teilnehmer dieser Session hörten zunächst den Impulsvortrag von Lisa Dühring von der Universität Leipzig zum Thema „Kulturwandel und New Work: Kommunikation und Kommunikatoren in Veränderungsprozessen“.
 
Sie sorgte zunächst für ein einheitliches Verständnis, was mit New Work eigentlich gemeint ist, nämlich ein Vierklang aus 1. Partizipation, Führung, Selbstorganisation, 2. Flexibilisierung von Ort und Zeit, 3. Agilität und Temporalität sowie 4. Sinnstiftung durch Arbeit. Um dann gleich kritisch darauf hinzuweisen, dass die oft positiven Grundannahmen im Zusammenhang mit New Work (das Ganze macht Spaß, stiftet Sinn, sorgt für Partizipation und Freiräume ...) nicht von allen Beteiligten im Unternehmen so gesehen werden. Denn die Kehrseite der New Work-Medaille ist für viele: Ambivalenz, Unsicherheit und Überforderung.
 
In ihrer Forschungsarbeit hat Lisa Dühring explizit durch Interviews und Fallstudien untersucht, welche Rolle Kommunikationsabteilungen dabei haben beziehungsweise einnehmen können, wenn sie versuchen, den Wandel im Unternehmen zu kommunizieren und zu fördern. Sie ist dabei wiederum zu vier Erkenntnissen gelangt, die sich Kommunikatoren und Veränderer bewusst machen müssen:
 
1. Fun is not for everyone - Die „schöne neue Arbeitswelt“ wird immer auch kritisch betrachtet werden verbunden mit der Frage, ob Spaß und Arbeit wirklich so gut zusammenpassen, wie man das für gewöhnlich beim Thema New Work assoziiert.
 
2. It‘s not just fun to be empowered - Viele glauben nicht an die Verheißungen von New Work, wollen das nicht und wünschen sich die alte Welt zurück ... Hier drohen Gräben zwischen Fans und Gegnern, die auch Kommunikation schwierig machen.
 
3. What happens when things go south? - Was passiert, wenn die schon zitierte „schöne neue Welt“ auf die harte Realität trifft. Beispiel Hierarchie: Die ist nicht einfach weg, nur weil „schlanke Strukturen“ gefordert und gefördert werden; sie taucht, wenn schwierige Entscheidungen gefragt sind, ganz schnell als informelle Hierarchie wieder auf.
 
4. Fun is nice, but money is nice, too - Diejenigen, die die Transformation vorantreiben, tun das sicher oft aus einer intrinsischen Motivation heraus - aber nicht für immer und ewig. Früher oder später stellt sich die Frage nach Honorierung des Engagements.
 
Anschließend zeigte Silvie Rundel den Weg des Wandels der ZEIT Verlagsgruppe auf. Ausgangspunkt war hier die Identifikation von Schmerzpunkten bei Führungskräften und im ganzen Haus, die in einer Workshop-Phase zu Themenschwerpunkten verdichtet wurden. Als solche Schmerzpunkte wurden unter anderem identifiziert: Unklarheit, wer wofür zuständig ist; Entscheidungen, die nicht verstanden werden; Überlastung durch viele neue Projekte; zu wenig Feedback; unklare Ziele von Terminen; und eine zwar erfreuliche, aber nicht immer hilfreiche, weil auch Probleme kaschierende Höflichkeit im Umgang miteinander.
 
Während der Bearbeitung, die von einem Lenkungsausschuss begleitet wurde, wurde auch Mitarbeiter-Feedback eingeholt. Ein wichtiges Prinzip während des gesamten Prozesses war, stets größtmögliche Transparenz über den Umgang mit den Ergebnissen herzustellen, unter anderem über einen Wandel-Bericht, der in gedruckter Form an alle Mitarbeiter geschickt wurde.
 
Die wichtigsten Erkenntnisse im Rahmen ihres Veränderungsprozesses fasste Silvie Rundel am Ende ihres Vortrags kompakt zusammen: Je mehr Kommunikation, desto besser. Der Wandel fängt beim Einzelnen an. Vorbilder und best practices spornen an. Interdisziplinäre Teams sind besser. Es ist eine neue Jobdescription für die interne Kommunikation nötig. Und spannend nicht zuletzt auch die Erkenntnis, dass man den Staffelstab für das Vorantreiben des Wandels durchaus weitergeben darf, dass nicht immer dieselben Menschen (unter Mehrbelastung) für das Thema verantwortlich sein sollten oder müssen.
 
Autor: Christian Buggisch (Leiter Unternehmenskommunikation Datev eG) leitet zusammen mit Andrea Montua (Montua & Partner) den DPRG-Arbeitskreis Interne Kommunikation, Change und Leadership Communication
 

Arbeitskreis

Interne Kommunikation, Change und Leadership Communication

Aus dem Arbeitskreis „Interne Kommunikation“ der DPRG wurde Mitte 2016 der Arbeitskreis „Interne Kommunikation, Change und Leadership Communication“. Andrea Montua (Montua & Partner) und Christian Buggisch (DATEV) leiten den Arbeitskreis und führen viermal jährlich an verschiedenen deutschen Standorten ganztägige Arbeitskreis-Treffen durch. Ziel der gemeinsamen Arbeit ist die intensive Vernetzung interner Kommunikateure, Change Manager und Personalverantwortlicher in Unternehmen, Verbänden und Behörden. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen dabei die veränderten Rollenanforderungen sowie das Aufgreifen und Thematisieren von Trends und Best-Practice-Beispielen innerhalb der Internen Kommunikation.
Kontakt: interne.kommunikation@dprg.de

Ansprechpartner

Andrea Montua
Montua & Partner


Tel.: +49 40 386 870 9 00

Christian Buggisch
DATEV eG


Tel.: +49 911 319 531 41