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News / Asterisk* und die Stadtverwaltung Hannover
Prof. Annika Schach (c) Tatja Stülten
05.12.2019   Niedersachsen/Bremen
Asterisk* und die Stadtverwaltung Hannover
Wie war das damals mit dem Gendersternchen? Professorin Annika Schach berichtet über dessen Einführung in der hannoverschen Stadtverwaltung - und die Reaktionen darauf.
In einer sehr kurzweiligen Veranstaltung der DPRG-Landesgruppe Niedersachsen im Unternehmerinnen-Zentrum Hannover berichtete Professorin Annika Schach am 18. November über die Einführung des Gendersterns in der hannoverschen Stadtverwaltung. Es ging aber nicht um das Pro oder Contra zum Genderstern, sondern um die kommunikative Einführung und die Folgen für das Kommunikationsteam der Stadt Hannover.
 
Obwohl der deutsche Rechtschreibrat noch Ende 2018 darauf verzichtete, das Gendersternchen in den Duden aufzunehmen, preschte die Stadtverwaltung Hannover Anfang 2019 vor und schrieb als erste deutsche Stadt in amtlichen Schreiben geschlechtsneutrale Begriffe vor (»Mitarbeitende« statt »Mitarbeiter«). Sollte das nicht gehen, dann solle das Gendersternchen eingesetzt werden (»Ingenieur*in«). Beim Sprechen werde der Stern durch eine kurze Atempause gekennzeichnet.
 
Seit Januar 2017 ist Annika Schach Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover. Ende 2018 holte der damalige Oberbürgermeister Stefan Schostok die Professorin als Kommunikationschefin ins Rathaus; ein Jahr später, nach dem Rücktritt des OB, verließ Schach die Stadtverwaltung wieder und wechselte am 1. September 2019 zurück zur Hochschule Hannover.
 
Schach gilt als Expertin für Krisenkommunikation, und so gehörte Anfang 2019 die Öffentlichkeitsarbeit zur Einführung des Gendersterns zu ihren Aufgaben: »Viele denken, das sei meine Idee gewesen, aber als ich ins Rathaus kam, war das Projekt schon reif.«
 
An diesem Abend ging es also nicht um das Pro oder Contra zum Genderstern - das ist schon zur Genüge diskutiert -, es ging um die kommunikative Einführung und die Folgen. Die waren dramatisch: Kein deutsches Medium, das nicht über das Projekt berichtete - sogar die New York Times schrieb einen Artikel. Kein Sternchen-Witz, über den noch nicht gelacht wurde. Mit der Reaktion hatte Schach nicht gerechnet: »Schließlich wurde in Hannover schon seit 20 Jahren gegendert, mit dem Binnen-I.«
 
Alles fing an mit einer Pressemeldung im Januar 2019, beigelegt ein Foto des Projektteams der Stadt, das die Broschüre mit den Empfehlungen entwickelt hatte. Das mit dem Foto würde sie heute schon mal nicht mehr so machen, so Schach, denn die Kolleginnen wurden mit Kübeln von sprachlichem Unrat in den Sozialen Medien übergossen. Solche Reaktionen würde sie heute auch rechtlich verfolgen.
 
Nach der ersten Welle massiver Kritik wurden Veranstaltungen organisiert, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Fürsprecher fungierten. Über 100 Anfragen wurden außerdem persönlich beantwortet. Über vier Monate verlief die Kommunikation wellenförmig, »gerade crossmediale Kommunikation befeuerte sich wechselseitig«, so Schach.
 
Aus heutiger Sicht glaubt die Professorin, dass das Thema Hannovers Image positiv beeinflusst hat. Anerkennung kam vor allem aus anderen Städten und Kommunen, die vorbei kamen, um sich zu informieren. Kiel führt gerade einen Genderprozess ein. 60:40 gegen das Sternchen schätzt Schach die Stimmung in Hannover und der hannoverschen Verwaltung derzeit ein, aber: »In fünf Jahren wird das Genderthema ganz normal sein und keiner mehr drüber reden«, prognostiziert sie.
* der Asterisk, das Sternchen, ist ursprünglich ein Hinweis auf eine Fußnote.
 
Autor: Der Autor Thorsten Windus-Dörr, ist zusammen mit Jens Voshage Geschäftsführer von Eins A Kommunikation in Hannover.

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