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News / Auftaktveranstaltung des AK Wissenschaftskommunikation: Künstliche Intelligenz steht im Vordergrund.
© Rebekka Grün, phaeno Wolfsburg
Auftaktveranstaltung des AK Wissenschaftskommunikation: Künstliche Intelligenz steht im Vordergrund.
Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist hochaktuell. Fragen wie „Was macht KI mit dem Menschen?“ oder „Zu was ist KI fähig?“ und „Wie wird KI unser Leben verändern?“ beschäftigen Unternehmer und Arbeitnehmer.
Diese und andere Aspekte von KI und Machine Learning (ML) standen im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung des DPRG-Arbeitskreises Wissenschaftskommunikation am 5. November im Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken.
 
„Momentan erzeugen die Schlagzeilen zu KI eine gesellschaftliche Verunsicherung, die schädlich ist, Innovationsaversion schüren und perspektivisch zu sozialem Unfrieden beitragen kann“, beschrieb Reinhard Karger, seit 2011 Unternehmenssprecher des DFKI, in seinem Vortrag die aktuelle Stimmungslage. Dabei handele es sich bei KI nicht um Magie, sondern um einen vielgestaltigen technologischen Werkzeugkasten, erläuterte Karger. Der Befürchtung, dass diese Werkzeuge den Menschen dominieren können, müsse durch eine differenziertere und gleichzeitig anschaulichere Berichterstattung in den Medien begegnet werden, forderte der renommierte KI-Experte.
 
Für Reinhard Karger ist Künstliche Intelligenz die Digitalisierung menschlicher Wissensfähigkeiten mit dem Ziel, dass Maschinen Leistungen erbringen, für die man traditionell menschliche Intelligenz vorausgesetzt hat. Das ermöglicht neue Erkenntnisse und Systeme, die die ökonomischen, aber auch ökologischen Grundlagen sichern helfen.
 
Die öffentliche Wahrnehmung konzentriere sich momentan auf die „starke KI“ mit menschenähnlichen Maschinen á la Hollywood und der digitalen Unsterblichkeit, während die „schwache KI“ viel zu wenig Aufmerksamkeit bekomme. Das wirtschaftliche Potential läge jedoch auf der schwachen KI, bei der es um konkrete Fähigkeiten gehe und die Implementierung von digitalen Assistenten, die den Menschen optimal unterstützen können. Das selbstfahrende Auto ist eine Instanz von schwacher KI und – wenn es dann funktioniert – ein gigantischer Markt. Die KI solle viel stärker als Ergänzung zum gesunden Menschenverstand verstanden werden und nicht als vollwertiger Ersatz.
 
Keine existierende KI-Technologie könne mit den Leistungen der menschlichen Alltagsintelligenz konkurrieren. „KI kann Menschen konstruktiv unterstützen, aber nicht kreativ ersetzen.“ Als positive, zukunftsweisende Anwendungsbeispiele von KI stellte Karger dem Arbeitskreis die visuelle Objekterkennung sowie die maschinelle Übersetzung vor, die die Kommunikation in multilingualen Teams unterstützt, aber weder den Übersetzer noch den Dolmetscher überflüssig macht.
 
Intensiv diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fragen nach den neuen Herausforderungen an das Kommunikationsmanagement, die KI mit sich bringen würde, sowie die Gefahren einer möglichen Verselbstständigung von künstlicher Intelligenz.
 
Dass künstliche Intelligenz aktuell eines der spannendsten Themen der internationalen Wissenschaftspolitik ist, zeigt die von den Wissenschaftsakademien der G7-Staaten erarbeitete Stellungnahme "Artificial Intelligence and Society", die in Vorbereitung des G7-Gipfels der Staats- und Regierungschefs im August 2019 in Biarritz vorgestellt wurde. Von der Erarbeitung dieser Stellungnahme und der Vermittlung dieser Empfehlungen in die Politik berichtete Christian Weidlich, Referent der Abteilung Internationale Beziehungen an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale), in einem zweiten Vortrag.
 
In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Arbeitskreises erläuterte Weidlich einzelne Inhalte der Stellungnahme wie zum Beispiel die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI, den Umgang mit ethischen Fragen sowie die Bereiche Datenschutz und Privatsphäre. Die Frage nach der Verbindlichkeit sowie der Nachverfolgung der Umsetzung dieser Empfehlungen sorgte für reichlich Kontroversen unter den Anwesenden und bildete damit die derzeitige Situation in der Bevölkerung ab.
 
Nach dieser erfolgreichen Auftaktveranstaltung ist für den 24. Januar 2020 ein gemeinsamer Auftritt der Arbeitskreise Gesundheits- und Wissenschaftskommunikation im Rahmen des DPRG-Take-Off in Berlin geplant.
 
Autoren: Martina Flamme-Jasper und Reinhard Artus, Leitung DPRG Arbeitskreis Wissenschaftskommunikation
 
Foto (v.l.n.r.): Christiane Lesch (München); Thorsten Windus-Dörr (Hannover); Eva-Maria McCormack (Berlin); Christian Weidlich (Halle/Saale); Reinhard Artus (Halle/Saale); Reinhard Karger (Saarbrücken); Sascha Stoltenow (Frankfurt/Main); Thorsten Klein (Saarbrücken); Sibylle Gaßner (München); Dr. Stephan Kühne (Bad Homburg)
 

Arbeitskreis

Wissenschaftskommunikation

Der Arbeitskreis Wissenschaftskommunikation (AKWK) richtet sich an WissenschaftlerInnen aller Disziplinen, Wissenschaftskommunikatoren von Universitäten und  Forschungseinrichtungen sowie an Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten. Der Arbeitskreis arbeitet eine mit anderen Fachgruppen in der DPRG und mit relevanten Partnern in der Wissenschaft und Kommunikation zusammen. In rund drei Sitzungen pro Jahr besuchen die Mitglieder bundesweit Zentren der Wissenschaft und Forschung und lernen deren Arbeitsschwerpunkte und Strukturen kennen. Die Struktur einer jeden Sitzung besteht im Kennenlernen exzellenter wissenschaftlicher Erkenntnisse und innovativer Ideen, in deren professioneller Kommunikation und im fachlichen Austausch zu neuen Werkzeugen in der Wissenschaftskommunikation. 


Kontakt: wissenschaftskommunikation@dprg.de 

Ansprechpartner

Martina Flamme-Jasper

Leiterin Kommunikation phaeno gGmbH

Tel.: +49 5361 89010 121

Reinhard Artus

Kommunikationsberater, Halle (Saale)

Tel.: +49 177 2446188