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23.09.2019   Sachsen
Die hellen Seiten des Darknets
Welche Potenziale hat das Darknet für Journalismus und Unternehmenskommunikation? Einblicke in eine vielen Menschen kaum bekannte Welt gab Stefan Mey in Dresden.
Drogen, Waffen und Kinderpornografie. Whistleblower und gestohlene Nutzerdaten. Wenn von diesen Dingen die Rede ist, dann ist häufig ein zweiter Begriff nicht weit entfernt – das Darknet, der versteckte Teil des Internets, die digitale Unterwelt. Viele haben schon einmal davon gehört, es selbst gesehen oder sich darin bewegt hingegen nur die wenigsten.
 
Ein Darknet-Experte ist Stefan Mey. Als Technologiejournalist befasst er sich intensiv mit dem Darknet, hat über dieses Thema im Jahr 2017 ein Sachbuch geschrieben und seitdem zahlreiche Interviews gegeben und Vorträge gehalten. So auch am 17. September in Dresden auf Einladung der DPRG-Landesgruppe Sachsen.
 
Der Browser „Tor“ ist der Zugang zum Darknet
 
In seinem Vortrag beschrieb Stefan Mey zunächst die technologischen Grundlagen des Darknet, wie es funktioniert und wie man Zugang erhält. Außerdem ging er auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum „normalen“ Internet ein. Der heute gängigste Zugang zum Darknet ist der kostenlose Browser „Tor“. Dieser verschlüsselt, ähnlich wie bei einer Zwiebel, die IP-Adresse der Nutzer hinter mehreren Server-Schalen, das heißt mehreren Knotenpunkten im Tor-Netzwerk.
 
So ermöglicht dieser Browser neben dem Zugang zum Darknet auch das anonyme Surfen im „normalen“ Internet. Webseiten im Darknet erreicht man wie Webseiten im Internet über deren URL. Diese bestehen jedoch nicht aus verständlichen Namen wie zum Beispiel dprg.de, sondern aus Darknet Links mit 16 sowie neuerdings auch 54 unterschiedlichen Zeichen. Außerdem enden diese Links auf .onion.
 
Nutzerzahlen verdeutlichen laut Mey, dass das Darknet trotz zahlreicher Mythen nur eine Nische ist. So lassen sich zwar die Nutzerzahlen des Tor-Browsers weltweit auswerten – täglich nutzen über 2 Millionen Menschen diesen – wie viele davon aber wirklich ins Darknet gehen ist unklar. Zum Vergleich nutzen etwa 3,9 Milliarden Menschen weltweit das Internet.
 
Drei Nutzungsszenarien für das Darknet
 
Einen ersten Anlaufpunkt für das Surfen im Darknet sind meist Wikis mit Linksammlungen. Auf diesen werden zahlreiche Darknet-Webseiten gesammelt und aufgelistet. Meyer unterscheidet in seinem Vortrag drei aktuelle Nutzungsszenarien für das Darknet:
 
1. Das Darknet als Einkaufsmeile mit illegalen Marktplatz, ähnlich aufgebaut wie die bekannten großen Shopping-Seiten im Internet. Auf diesen können die Nutzer unter anderem Drogen kaufen und sich dann liefern lassen.
2. Zum „bösen“ Darknet beziehungsweise den Abgründen des Darknets zählt Mey solche Seiten, auf denen zum Beispiel Waffen verkauft werden oder geschlossene Foren, in denen Kinderpornografie getauscht wird. Dabei informierte er unter anderem auch über die Herausforderungen und Chancen von Strafverfolgungsbehörden und der Polizei, entsprechende Seiten und Foren zu schließen, Seitenbetreuer zu identifizieren und diese festzunehmen. Außerdem schilderte er Beispiele großer Shopping-Seiten, die bereits erfolgreich geschlossen wurden.
3. Das „gute“ Darknet wiederum ist der Bereich des Darknets, auf dem politische oder teilweise auch nicht politische Diskussionen stattfinden oder in dem verschiedene Medien Kontaktseiten für Whistleblower und Informanten eingerichtet haben. Diese Seiten präsentierte er live vor Ort und beschrieb dabei, mit welchen (technischen) Maßnahmen die entsprechenden Medien die Anonymität ihrer Informanten sichern.
 
Nach einem Überblick über die Welt des Darknet präsentierte Stefan Mey zudem weitere technische Anwendungen wie Filesharing oder Messenger, mit denen Inhalte sicher – ohne Zwischenspeicherung bei einem Dritten beziehungsweise Anbieter – geteilt werden können.
 
Der Vortrag von Stefan Mey war für alle Teilnehmer sehr spannend und anschaulich und hat viel Licht ins Dunkel gebracht. Und mit Sicherheit zahlreiche Anregungen gegeben, die mit dem Darknet verbundenen Technologien und Anwendungen im privaten oder auch beruflichen Umfeld zu testen.
 
Autor: Martin Junge, Leiter Kommunikation, Sächsisches Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth
 
Hinweis: Am 28. September findet auf Schloss Wackerbarth die Veranstaltung „Kommunikation und Erlebnis-Wein-Lese“ der DPRG Sachsen statt. Hier geht es zur Anmeldung.
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