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News / Satire – Meinungsfreiheit oder Majestätsbeleidigung?
30.05.2016   News
Satire – Meinungsfreiheit oder Majestätsbeleidigung?
Politische Satire und Gesellschaftskritik haben besonders im rheinischen Karneval eine lange Tradition – auch als Kommunikation der Bevölkerung mit der Obrigkeit. Die Kunst mit klaren Bildern und starken Aussagen Kritik an den Mächtigen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu üben beherrscht einer mit besonderem Talent: Jacques Tilly.  Jacques Tilly ist ein Düsseldorfer Bildhauer und Kommunikationsdesigner. Seit 1984 entwirft und baut er politisch-satirische Wagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug, mit denen er zunehmend auch international Aufmerksamkeit erregt. Mit seinen Entwürfen und den Großplastiken zeigt er Mut zur Wahrheit und großes Geschick bei der Umsetzung von aktuellen Themen in ausdrucksstarke Karikaturen.   Auf Einladung der DPRG Landesgruppe NRW trafen sich rund 40 DPRG-Mitglieder und Gäste am 24. Mai in der Düsseldorfer Wagenbauhalle, der Kreativwerkstatt des Teams um Jacques Tilly. Einige kurze Demonstrationen und Erklärungen zeigten, dass es beim Wagenbau mehr auf Know-how und Fingerfertigkeit, als auf physische Kraft ankommt. Beim Rundgang hatten die Teilnehmer Gelegenheit, einige noch nicht abgerüstete Karnevalswagen der vergangenen Session aus der Nähe und auch von innen zu ergründen. In einem kurzweiligen, reich bebilderten Vortrag stellte Tilly anschließend Highlights seines bisherigen Schaffens und die gelegentlich durchaus kontroversen Reaktionen aus aller Welt vor. Besonders vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion um Meinungs- und Kunstfreiheit entstand eine lebhafte Diskussion um Satire und ihre Grenzen. Entscheidend für Satire ist ihr Inhalt und ihr Ziel. Es geht nicht um Witze und persönliche Schmähungen, sondern um die messerscharfe Darstellung von Wahrheiten und die Kritik an Autoritäten aus allen Bereichen der Gesellschaft. Unterscheidungskriterium zur Comedy und zum Kalauer ist bei einer Satire ihr konkreter Inhalt mit Gesellschaftsbezug. Satire hat in unserer Zeit unter dem Schutz der Meinungsfreiheit sehr weit gefasste Grenzen. Vor allem Personen des öffentlichen Lebens müssen damit rechnen, in den Fokus der Satire zu geraten. Vor dem Hintergrund des Erstarkens autoritärer politischer und gesellschaftlicher Systeme in Europa, den USA sowie dem Nahen und Mittleren Osten, waren sich alle Teilnehmer mit Jacques Tilly einig: Satire ist ein wichtiges Kommunikationsmittel zur Stärkung und Verteidigung unserer aufgeklärten, liberalen Gesellschaftsform gegen autoritäre und undemokratische Entwicklungen.  Autor: Markus Richard Spiecker ist Vorstandsmitglied der DPRG-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen und Inhaber von Spiecker Kommunikation, Essen.      Fotocredit: Christoph Fein, Essen