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14.06.2017   Bayern
Von Filterblasen und Glaskugeln: PR-Frühstück im Nürnberger Presseclub

Nürnberg: Mit Kaffee, Brezen und einem gesunden Fruchtspieß ausgerüstet, starteten die gut gelaunten DPRG-Mitglieder sowie Kommunikationsgäste aus Mittel- und Unterfranken, der Oberpfalz sowie dem Münchner Raum das traditionelle PR-Frühstück. Knapp 50 Unternehmens- und Agenturvertreter diskutierten am 31. Mai die jüngsten Kommunikationstrends im traditionsreichen Marmorsaal des Nürnberger Presseclubs.

Organisiert und konzipiert wurde die Veranstaltung bereits zum 15. Mal von der PR-Agentur Kaltwasser Kommunikation, die auch die Regionalgruppe DPRG Nordbayern verantwortet. Das Format der Veranstaltung besteht wie jedes Jahr aus drei Impulsvorträgen, deren Kommunikationsthesen jeweils im Anschluss daran im Plenum diskutiert werden.

Fake-News – der (des)informierte Bürger

Den ersten zehnminütigen Impulsvortrag hielt Professor Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim. Der Fachgebietsleiter für interaktive Medien- und Onlinekommunikation am Institut für Kommunikationswissenschaft warf die Frage auf, ob soziale Medien zu einer einseitigen Pseudo-Informiertheit von Bürgern führten und damit die Polarisierung der Gesellschaft sowie Populismus verstärkten. Er führte an, dass zwar Informationen durch das Internet in der heutigen Zeit frei zugänglich seien und es durch die sozialen Medien zahlreiche Möglichkeiten gäbe, öffentlich zu diskutieren, diese Plattformen aber anfällig für Hasskommentare und Unwahrheiten seien. Gerade Facebook, Twitter und andere soziale Kanäle seien Aggregatoren, die Nachrichten von journalistischen Medien und alternativen Informationsquellen einheitlich darstellten.

So sei es für Bürger oft nicht transparent, ob die Quelle, von der eine Nachricht stammt, verlässlich, glaubwürdig und wahrheitsgetreu sei. Zudem filtern Algorithmen der sozialen Medien und der Suchmaschinen Inhalte dauerhaft, entsprechend nach den bisherigen Einstellungen und Interessen des Nutzers. Dies führe zu einem Verlust eines breiten und ausgewogenen Nachrichtenüberblicks. Aufgrund immer besser werdender Algorithmen entstehen so Filterblasen, da die Mitglieder der einzelnen Meinungslager weitgehend unter sich blieben. Diese würden sich zudem gegenseitig aufschaukeln, was wiederum zu einer Echokammer führen würde. Diese Entwicklungen prägen die Meinungsbildung, trägen zu einer verzerrten Wahrnehmung der öffentlichen Meinung durch den Einzelnen bei und verschärfen die Polarisierung der Gesellschaft. Inzwischen informiert sich jeder fünfte Deutsche täglich über Aggregatoren, wie Google, Youtube, Facebook oder Twitter. Übrigens ist das Buch von Wolfgang Schweiger Anfang des Jahres im Springer-Verlag erschienen.

Wie Blogger zu Botschaftern werden

Nach dem ersten spannenden und sehr kontrovers diskutierten Impulsvortrag folgte der zweite von Lena Kosinksi von Tracdelight, einem Tochterunternehmen vom Medienkonzern Hubert Burda. Sie referierte darüber, wie Influencer mit Kampagnen die Meinungshoheit übernehmen und damit Blogger zu Marken-Botschaftern werden. Sie unterscheidet Blogger und Social-Media-Stars in Micro-und Macro-Influencer: Macro-Influencer sind bezahlte Meinungsführer und Multiplikatoren sozialer Medien, die weit mehr als 1.000 Follower zählen und sich besonders durch eine enorm hohe Reichweite auszeichnen. Die Macro-Influencer würden zahlreiche Produkte und Dienstleistungen bewerben, sodass sie häufig als „Litfaß-Säulen“ der sozialen Medien betrachtet würden. Eine selektivere Auswahl träfen Micro-Influencer. Sie würden gezielter darauf achten, dass die Werbeangebote ihrem Kanal, ihrer Persönlichkeit und ihrem Lifestyle entsprächen. So hätten die engagierteren Micro-Influencer zwar eine weniger hohe Reichweite, wirkten aber authentischer und glaubwürdiger. Eine gebündelte Kampagne mit mehreren Micro-Influencer könnte so die Reichweite eines Macro-Influencers übertreffen und gleichzeitig authentischer bei den Followern wirken. Einen festen Weg zum Erfolg gäbe es wie immer nicht. Aber auch hier gilt: Inhalt vor Verpackung. Die Authentizität sei das höchste Gut.

Stories sind das neue Feed

Die dritte und letzte Impulsvortragsrunde im Herzen Nürnbergs endet mit Ingo Di Bella, Initiator der Nürnberg Web Week. Seine Meinung: Stories in Form von Videos werden den Newsfeed, so wie wir ihn kennen – in Textform, gefiltert, vorsortiert und von oben nach unten – langsam aber sicher ablösen. Der Trend geht hin zu chronologischen, ungefilterten und vergänglichen Inhalten, wie wir sie schon von Snapchat oder Insta Stories kennen. Und was kommt danach? „Virtual oder Augmented Reality“, prognostiziert Di Bella. Wohin die Reise genau geht, weiß nur die Glaskugel.

Ohne Glaskugel können wir aber sagen, dass das PR-Frühstück auch dieses Jahr wieder eine gelungene Veranstaltung mit vielen Impulsen sowie genügend Raum zum Netzwerken war.

Die Präsentationen können hier eingesehen werden.

Autorin: Lisa-Katharina Kaltwasser

Landesgruppe

Bayern

Unsere rund 350 Mitglieder starke Landesgruppe realisiert in München und Bayern zahlreiche Fach- und Networking-Veranstaltungen. Dabei arbeiten wir auch mit anderen Kommunikationsverbänden und -organisationen in Bayern zusammen. Ein grenzüberschreitender Austausch, vor allem mit Österreich, Lichtenstein und der Schweiz rundet das Angebot ab. Auf unseren Veranstaltungen referieren Repräsentanten der Wirtschaft, der politischen Parteien oder auch der Bayerischen Staatsregierung. Es bestehen aber auch gute Verbindungen zu den Kommunikationszentralen der großen Unternehmen, wo sich Kollegen immer wieder über die Schulter schauen lassen.

Kontakt: bayern@dprg.de

Ansprechpartner

Vorsitzende
Christina Kahlert
Stv. Vorsitzender
Prof. Dr. Michael Bürker
Stv. Vorsitzender
Sebastian Frei
Beisitzer: Stephan Becker-Sonnenschein, Katharina Ariane Beyersdorfer, Dr. Annegret Haffa, Lisa-Katharina Kaltwasser (Young Professionals), Brigitte Kaltwasser (Leitung Regionalgruppe Nordbayern), Birgit Kern-Harasymiw (Leitung Regionalgruppe Allgäu), Hans-Peter Meier (Presse), Niklas Merk (Young Professionals), David Schimm, Michael C. Schmitt (Leiter Regionalgruppe Würzburg und Unterfranken), Christian Ziegltrum.