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11.09.2017   Sachsen
Ist Facebook schuld an der Polarisierung von Politik?

Gemeinsam mit dem Presseclub Dresden e.V. lud die DPRG Landesgruppe Sachsen am 28. August zu einem Vortrag und einer Diskussion mit Lutz Hagen ein. Hagen ist Professor für Kommunikationswissenschaft und Direktor des ifk Instituts für Kommunikationswissenschaften an der TU Dresden. Das Thema an diesem Abend war: Ist Facebook schuld an der Polarisierung von Politik − Erkenntnisse aus der Forschung zu den politischen Wirkungen Digitaler Netzwerke. 

Facebook ist per se keine Bedrohung für die politische Kultur in Deutschland. Es kann zu einer Polarisierung führen, das ist aber von Randbedingungen wie Bildungsstand und Alter abhängig. Mit diesem Fazit beendete Lutz Hagen seinen Vortrag im Presseclub Dresden.

Hagen, der selbst gern Facebook und Twitter nutzt, stellte eingangs dar, dass die digitalen Medien gravierende Auswirkungen auf die traditionellen Massenmedien haben. Wurden beispielsweise 1991 noch 27,3 Millionen Zeitungen in Deutschland Exemplare in Deutschland verkauft, so hatte sich die Zahl bis 2016 mit 15,3 Millionen fast halbiert. Die Verlagshäuser konnten die Vertriebsumsätze zwar relativ stabil halten, aber die Anzeigenerlöse gingen kräftig zurück. In Deutschland machen sie noch etwa 50 Prozent aus, früher waren es zwei Drittel. Besonders bitter sei es, dass im vergangenen Jahrzehnt die Zahl der festangestellten Journalisten von 55.000 auf 35.000 gesunken sei.

Weltweit gebe es mehr Facebook-Nutzer als Mitglieder christlicher Kirchen, erklärte Lutz Hagen. Das meiste Geld verdiene Facebook mit der „gezielten Ausspielung“, so werden den Nutzern maßgeschneiderte Werbeangebote unterbreitet. Jeder Nutzer hat eine eigene Filterblase und einen Echo-Raum (Echo Chambers), durch den er seine eigene Meinung meist bestätigt sieht. Letztlich ist das nur wenig anders als frühere Stammtische in der Dorfkneipe. Hagen glaubt, ohne soziale Netzwerke würde es Pegida nicht geben.

Nach Untersuchungen des ifk fühlen sich die meisten Facebook-Nutzer nicht durch eine Vorauswahl nach Nutzungspräferenz gestört. In Deutschland nutzt die Mehrheit der „Facebooker“ für ihre politische Information durchaus mehrere Kanäle. Nach aktuellen Forschungsergebnissen lässt sich aber ein Zusammenhang zwischen extremen Positionen und einer starken Nutzung der digitalen Medien sowie dem Bildungsniveau und dem Alter nachweisen. Menschen mit geringerer Bildung und häufigem Gebrauch von Facebook und YouTube neigen nach der Befragung fast dreimal mehr zu extremen Auffassungen wie Zeitungsleser mit Abitur. Auffällig sind auch extreme Auffassungen bei den über 70-Jährigen.

Weitere ausführliche Informationen und Diskussionen zum Thema gibt es beim Dresdner Symposium “Digitale Revolution in der Demokratie − Algorithmen und die Rolle von Intermediären: Wie Google, Facebook und Co. die Demokratie verändern“, zu dem das Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden vom 29. bis 30. September herzlich einlädt. Die Idee ist, Wissenschaftler und Praktiker aus Medien und Politik zusammen zu bringen, um Erkenntnisse über den Digitalen Wandel in der Politik zu diskutieren und Wege zu seiner Gestaltung zu erörtern. Anmeldungen sind noch bis zum 15. September möglich: https://tu-dresden.de/gsw/phil/ifk/forschung/symposium-digidem

Autorin: Sybille Höhne ist Mitglied des DPRG-Bundesvorstands und Vorsitzende der DPRG-Landesgruppe Sachsen

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